Liquid Biopsy / Liquid Profiling

Dipl.-Ing. (FH) Tanja Hinrichsen, Oliver Wachter

Nachweis von zirkulierenden Tumorzellen und zellfreien Tumor-Nukleinsäuren

Bei der Liquid Biopsy/Profiling handelt es sich um ein minimal-invasives Untersuchungsverfahren. Diese Verfahren finden Anwendung in der Erstcharakterisierung und Nachsorge von Tumorpatienten. Es können quantitative und qualitative Informationen über einen Tumor wie der Nachweis von therapierelevanten Varianten oder das Auftreten von Resistenzvarianten gewonnen werden.

Weitere mögliche Anwendungen der Liquid Biopsy/Profiling umfassen die Früherkennung von Tumorerkrankungen, die Überwachung des Therapieerfolgs und Erkennen eines Rezidivs sowie die Identifikation von Resistenz-Mechanismen, Entdeckung neuer Therapietargets und Beobachtung der Tumorevolution.

Aus einer Blutprobe lässt sich unterschiedliches Untersuchungsgut isolieren wie z.B. zirkulierende freie DNA (cfDNA), zirkulierende RNA (cfRNA), zirkulierende Tumor-Zellen (CTCs) und extrazelluläre Mikrovesikel wie Exosomen (diese können RNA und DNA beinhalten). Als Material eignet sich nicht nur peripheres Blut bzw. Plasma, sondern auch z.B Urin, Stuhl, Pleuraflüssigkeit oder Zerebrospinalflüssigkeit.

Die cfDNA ist der Analyt, der am häufigsten im Routinealltag eingesetzt wird. Im Blut stammt die ctDNA von Apoptose oder Nekrose normaler wie auch maligner Zellen ab. Durch diese zellulären Prozesse wird genomische DNA (gDNA) zuerst fragmentiert und später sekretiert.

Geschützt durch Nucleosomen hat cfDNA eine durchschnittliche Größe von 166 bp. Die Konzentration der cfDNA im Plasma schwankt zwischen 1-20 ng in 5 Milliliter Plasma. Die Konzentration der cfDNA hängt von vielen individuellen Faktoren ab, Einfluss darauf nimmt z.B. der Konsum von Nikotin, entzündliche Prozesse und der BMI. Bei einer Tumorerkrankung kann die Tumorfraktion im Plasma (ctDNA), z.B. abhängig von Stadium der Erkrankung, Lokalisation und Tumorentität stark variieren und zwischen 0.01% bis über 90% an der cfDNA betragen.

Um eine Freisetzung genomischer DNA durch Lyse von Blutzellen und eine damit einhergehende Kontamination der cfDNA zu verhindern, sollten spezielle Abnahmeröhrchen verwendet werden. Außerdem sollte der Probentransport in das Labor zeitnah erfolgen.

Um geringe Varianten-Allelfrequenzen (VAF) von bis zu 0.01% zu detektieren sind hoch spezifische und sensitive Techniken nötig. Daher werden vor allem Analysetechniken wie die digital-PCR und modifizierte NGS-Methoden eingesetzt. Die Nachweisgrenze einer möglichen Variante hängt auch immer mit der zur Verfügung stehenden cfDNA Einsatzmenge zusammen.

EGFR (NSCLC)

KRAS (NSCLC, CRC)

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NRAS (NSCLC, CRC)

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BRAF (NSCLC, CRC, Melanom)

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“Driver”-Mutationssuche NSCLC

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“Driver”-Mutationssuche CRC

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“Driver”-Mutationssuche BC

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*LOD: limit of detection

Abnahmeset & Versandbox

Für ctDNA Analysen müssen spezielle Abnahme-Sets verwendet werden. Diese sind kostenlos anforderbar.

Bestellung unter:
Tel.: +49 89 8955780
E-Mail: info@medizinische-genetik.de



Folgende Bestimmungen sind Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen (GKV):

Die Bestimmung des relativen Anteils der Thr790Met-Variante im Verhältnis zum Anteil einer aus dem Primärtumor bekannten aktivierenden EGFR-Variante in der zirkulierenden Tumor-DNA (ctDNA) eines erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasierten nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) zur Indikationsstellung einer gezielten medikamentösen Behandlung ist nach Ziffer GOP 19460 schon länger Leistung der gesetzlichen Krankenkassen.

Seit 1. Januar 2019 ist die Analyse aller beschriebenen EGFR-aktivierenden Varianten in den Exonen 18 bis 21 in der ctDNA bei o.g. Indikationsstellung nach Ziffer GOP 19461 berechnungsfähig, wenn ein NSCLC histologisch nachgewiesen ist und nicht genügend Tumorgewebe als Untersuchungsmaterial zur Verfügung steht oder gewonnen werden kann.

Die Analyse zellfreier DNA im Blut ist seit der EBM-Reform vom 1.7.2016 bis auf die oben genannten Ausnahmen kein Bestandteil der Regelleistungen der GKV. Bei gegebener Indikation empfehlen wir einen Antrag auf Kostenübernahme beim Versicherer.