Juvenile Polyposis Syndrom (JPS) [D12.6]

OMIM-Nummer: 174900600993 (SMAD4)601299 (BMPR1A)

Dr. rer. nat. Anne Holtorf, M.Sc. Sarah Fischer

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die juvenile Polyposis coli ist eine seltene (Inzidenz 1:16.000 - 1:100.000.), autosomal-dominant vererbte Erkrankung des Gastrointestinaltrakts (GI), die durch das Auftreten juveniler (hamartomatöser) Polypen (> 5 im kolorektalen Bereich bis zu multiplen im gesamten GI-Trakt) gekennzeichnet ist. 75% der Patienten haben eine positive Familienanamnese. Klinisch gilt JPS bei Erfüllung eines der folgenden Kriterien als gesichert:

  • Patient mit zahlreichen (> 5) juvenilen Polypen in Kolon/Rektum,
    und/oder
  • Patient mit juvenilen Polypen in Kolon/Rektum und positiver Familienanamnese,
    und/oder
  • Patient mit juvenilen Polypen im gesamten GI-Trakt (Magen, Dünndarm).

Obwohl die meisten juvenilen Polypen gutartig sind, entwickeln 10-50% der Patienten Kolonkarzinome, Magenkarzinome, Tumoren des Gastrointestinaltrakts oder Pankreaskarzinome. Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, da das erhöhte Tumorrisiko bereits im Kindes- und Jugendalter besteht und regelmäßige endoskopische Kontrollen erfolgen sollten.

Molekulare Ursache ist in jeweils etwa 60% der Patienten eine Mutation im SMAD4-Gen oder im BMPR1A-Gen. SMAD4 (MADH4, DPC4 (deleted in pancreatic cancer)) ist ein Tumorsuppressorgen. Das Genprodukt spielt eine wichtige Rolle in der Transforming Growth Factor ß-Signaltransduktion. Das BMPR1A (bone morphogenetic protein receptor 1A)–Gen codiert für einen Typ I Serin-Threonin-Kinase-Rezeptor der TGFß-Superfamilie. Die BMP-Signaltransduktion wird ausgehend vom Oberflächenrezeptor BMPR1A durch SMAD4 vermittelt. Eine Genotyp-Phänotyp-Korrelation zwischen SMAD4- oder BMPR1A-Mutationen und der klinischen Symptomatik ist nur sehr begrenzt möglich. Der Anteil an Deletionen größerer Genabschnitte in beiden Genen beträgt bis zu 15%. In einzelnen Fällen können bei Patienten mit JPS-ähnlichen Symptomen ursächliche Varianten im PTEN-Gen (PTEN-Hamartom Tumor Syndrom) nachgewiesen werden.

Hinweis zur prädiktiven Diagnostik:

Bei der prädiktiven Diagnostik werden gesunde Risikopersonen untersucht, in der Regel erstgradige Verwandte von Betroffenen. Laut Gendiagnostikgesetz (GenDG) soll bei jeder diagnostischen genetischen Untersuchung eine genetische Beratung angeboten werden. Bei prädiktiver genetischer Diagnostik muss laut GenDG vor der Untersuchung und nach Vorliegen des Resultats genetisch beraten werden (§10, Abs. 2 GenDG).

Literatur

Cohen et al. 2019, J Pediatr Gastroenterol Nutr 68:453 / Valle et al. 2019, J Pathol 247(5):574 / Cichy et al. 2014, Arch Med Sci 10:560 / Jelsing et al. 2014, Orphanet Journal of Rare Disease 9:101 / Yang et al. 2010, Dig Dis Sci 55:3458 / Calva-Cerqueira et al. 2009, Clin Genet 75:79 / van Hatten et al. 2008, Gut 57:623 / Aretz et al. 2007, J Med Genet 44:702 / Pyatt et al. 2006, J Mol Diagn 8:84 / Howe et al. 2004, J Med Genet 41:484 / Friedl et al. 2002, Hum Genet 111:108 / Sayed et al. 2002, Ann Surg Oncol 9:901

V.a. und DD JPS nach histologischer Untersuchung mit dem Ergebnis „hamartomatöser Polyp vom juvenilen Typ“ (DD Peutz-Jeghers Syndrom, Cowden-Syndrom).

Vorhandensein eines der folgenden Kriterien:

  • > 5 juvenile Polypen im kolorektalen Bereich
  • multiple juvenile Polypen im oberen und unteren GI-Trakt
  • beliebige Anzahl von juvenilen Polypen und positive Familienanamnese

Ü-Schein Muster 10 mit folgenden Angaben

  • Diagnose: V.a. Juvenile Polyposis Syndrom (JPS) (ICD-10 Code: [Z80.-], [D12.-])
  • Auftrag: Molekulargenetische Analyse BMPR1A und SMAD4
     

Schriftliche Einwilligungserklärung gemäß GenDG erforderlich

2 ml EDTA-Blut

ca. 10-15 Werktage / 2-3 Wochen