DICER1-Syndrom

OMIM-Nummer: 601200, 138800, 606241 (DICER1)

M.Sc. Sarah Fischer, Dr. rer. nat. Anne Holtorf

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das DICER1-Syndrom ist eine seltene, autosomal-dominant erbliche Prädisposition mit (moderat) erhöhtem Risiko für die Ausbildung bestimmter benigner und maligner Tumoren. In den wenigen bislang beschriebenen Fällen wurden vor allem pleuropulmonäre Blastome, multinodale Struma, zystische Nephrome, Schilddrüsentumoren, Rhabdomyosarkome und Sertoli-Leydig-Zell-Tumoren der Ovarien diagnostiziert. Zusätzlich können Pineoblastome, Entwicklungsstörungen, Lungenzysten oder auch Makrozephalie vorkommen. Die Tumoren treten zumeist bei Kindern und Jugendlichen auf. Die Ausprägung ist variabel, auch innerhalb einer Familie. Außerdem gibt es Hinweise, dass die Penetranz unvollständig ist, sodass es mitunter schwierig sein kann, Anlageträger zu identifizieren. Die Prävalenz ist bislang unbekannt.

Ursächlich sind inaktivierende Varianten im DICER1-Gen, das auf Chromosom 14q32.13 lokalisiert ist und aus 27 Exons besteht. Das Gen kodiert die 1922 Aminosäuren lange Endoribonuklease DICER, die die Bildung von miRNAs kontrolliert und damit eine Rolle bei der translationalen Kontrolle der Proteinsynthese spielt. Möglicherweise geht durch inaktivierende Varianten in DICER1 die Expressionskontrolle von Tumorsuppressor- oder Protoonkogenen verloren und führt damit zu einem erhöhten Tumorrisiko. Allerdings erst nach Ausfall des zweiten, intakten DICER1-Allels durch spontane somatische Ereignisse kann es zur Entartung der betroffenen Zelle kommen. Bei schätzungsweise 80% der Anlageträger werden die ursächlichen Varianten von einem Elternteil vererbt, bei 20% entstehen sie de novo.

Die Therapie Betroffener richtet sich nach Art der Manifestation. Sobald eine pathogene Variante identifiziert wurde, können Blutsverwandte gezielt getestet werden. Aufgrund der Seltenheit des Syndroms existieren derzeit allerdings keine Vorsorgeempfehlungen für Anlageträger oder Risikopersonen. Es wurden jährliche körperliche Untersuchungen und bildgebende Verfahren in Abhängigkeit vom Alter des Anlageträgers vorgeschlagen.

Hinweis zur prädiktiven Diagnostik:

Bei der prädiktiven Diagnostik werden gesunde Risikopersonen untersucht, in der Regel erstgradige Verwandte von Betroffenen. Laut Gendiagnostikgesetz (GenDG) soll bei jeder diagnostischen genetischen Untersuchung eine genetische Beratung angeboten werden. Bei prädiktiver genetischer Diagnostik muss laut GenDG vor der Untersuchung und nach Vorliegen des Resultats genetisch beraten werden (§10, Abs. 2 GenDG).

Literatur

Stewart et al. 2019, J Clin Oncol 10:37 / Robertson et al. 2018, Cancers (Basel) 10:143 / Schultz et al. 2018, Clin Cancer Res 15:2251 / Bueno et al. 2017, Pediatr Radiol 47:1292 / Doros et al. DICER1-Related Disorders. 2014 Apr 24. GeneReviews®, www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK196157/

V.a. DICER1-Syndrom

Ü-Schein Muster 10 mit folgenden Angaben:

  • Diagnose/Verdachtsdiagnose: V.a. DICER1-Syndrom (ICD-10 Code: [Z80.-], [D48.-])
  • Auftrag: Molekulargenetische Analyse DICER1-Gen
     

Schriftliche Einwilligungserklärung gemäß GenDG erforderlich

2 ml EDTA-Blut, Schleimhautabstrich

ca. 10-15 Werktage / 2-3 Wochen