Kardiomyopathie, familiär hypertrophe Form (HCM)

Dr. rer. nat. Christoph Marschall

Wissenschaftlicher Hintergrund

Bei der hypertrophen Kardiomyopathie (HCM) handelt es sich um eine autosomal-dominant vererbte, strukturelle Erkrankung des Herzmuskels, die mit einer Prävalenz von ca. 1:500 in der kaukasischen Bevölkerung auftritt. In der Regel ist die hypertrophe Kardiomyopathie mit einer asymmetrisch erhöhten Muskelmasse des linken Ventrikels unter Beteiligung des interventrikulären Septums assoziiert, wodurch es zu charakteristischen Veränderungen im EKG kommt (Q-Welle, ST-Strecke und P-Welle).

Die phänotypische Ausprägung der hypertrophen Kardiomyopathie variiert von benignen, unvollständig penetranten bis zu malignen Formen mit einem hohen Risiko für plötzlichen Herztod bereits im Kindesalter. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Betroffenen liegt bei 66 Jahren, wobei die Prognose abhängig von der zugrunde liegenden molekularen Ursache ist.

Bislang wurden im Zusammenhang mit HCM ca. 2.000 pathogene Varianten in über 40 verschiedenen Genen, die meist für kardiale Struktur-Proteine codieren, identifiziert. Ca. 90% der bisher beschriebenen Varianten befinden sich in den Genen für die schwere Kette des ß-Myosins (MYH7), das Myosinbindeprotein-C (MYBPC3), Troponin T (TNNT2) und Troponin I (TNNI3). Insgesamt können derzeit im Rahmen der Routinediagnostik ursächliche Varianten in ca. 60% aller HCM-Fälle nachgewiesen werden. Deletionen einzelner Exons oder gesamter Gene sind sehr selten (<1% aller Fälle) und werden hier ebenfalls untersucht.

Literatur

Mazzarotto et al, J Am Heart Assoc e015473 (2020) / Walsh et al, Genet Med 19:192 (2017) / Elliott et al, Eur Heart J 35:2733 (2014) / Lopes et al, J Med Genet 50:228 (2013) / Ackerman et al, Europace 13:1077 (2011) / Rupp et al. 2018, Clin Res Cardiol doi.org/10.1007/s00392-018-1354-8 / Walsh et al. 2017, Genet Med 19:192

Diagnostik empfohlen für alle Patienten mit klinischem V.a. auf hypertrophe Kardiomyopathie

Ü-Schein Muster 10 mit folgenden Angaben

  • Diagnose: HCM (ICD-10 Code: [I42.2])
  • Auftrag Basisdiagnostik:
    NGS der Gene ACTC1, ACTN2, MYBPC3, MYH7, MYL3, MYLK2, PLN, TCAP, TNNC1, TNNI3, TNNT2, TPM1
    oder
    Auftrag Erweiterte Diagnostik (auf Antrag):
    NGS der Gene ANKRD1, CALR3, CASQ2, CAV3, CRYAB, CSRP3, DES, JPH2, LDB3, MYH6, MYLK2, MYOZ2, MYPN, NEXN, PRKAG2, VCL

Hinweis:
Schriftliche Einwilligungserklärung gemäß GenDG erforderlich

1 ml EDTA-Blut

Basisdiagnostik: 3-6 Wochen
Erweiterte Diagnostik: 3-6 Wochen