Hereditäre periodische Fiebersyndrome (HPF)

Dr. rer. nat. Barbara Bangol, Dr. med. Kaimo Hirv

Wissenschaftlicher Hintergrund

Fieber ist ein häufiges Symptom im Kindesalter, nicht immer lässt es sich auf einen gewöhnlichen Infekt zurückführen. Wurden Infektionen, autoimmune und maligne Erkrankungen ausgeschlossen, kann ein angeborenes/hereditäres periodisches Fiebersyndrom (HPF) vorliegen. HPF-Syndrome zeichnen sich durch rezidivierende Fieberschübe aus, begleitet von einer systemischen Entzündungsreaktion (erhöhtes CRP, Serum-Amyloid-Protein A), die insbesondere die Haut, Schleimhäute, seröse Grenzflächen und Gelenke betrifft und bei einigen Erkrankungen zu einer sekundären Amyloidose führen kann. Zwischen den Attacken sind die meisten Patienten symptomfrei.

HPF-Syndrome gehören zu den autoinflammatorischen Erkrankungen, die durch eine Fehlregulation der angeborenen Immunantwort gekennzeichnet sind. Im Unterschied zu klassischen Autoimmunerkrankungen fehlen Autoantikörper oder antigenspezifische T-Zellen. Vor allem das Zytokin Interleukin 1 (IL-1) spielt eine zentrale Rolle bei der Induktion von Entzündungen, indem es die Entstehung von Fieber, Aktivierung von Leukozyten und die Produktion weiterer Entzündungsmediatoren vermittelt. Verschiedene Beobachtungen unterstützen die Hypothese, dass die Fehlregulation des IL-1-Signalweges eine direkte oder indirekte Ursache der Mehrheit der HPF-Syndrome ist.

Die differentialdiagnostische Abklärung ist aufgrund der Ähnlichkeit und Variabilität der Symptome oft schwierig, so dass eine Diagnose häufig erst im Erwachsenenalter gestellt wird. Neben dem klinischen Krankheitsbild geben Dauer und Häufigkeit der Fieberschübe, das Alter bei Erstmanifestation, Familienanamnese und ethnische Herkunft richtungsweisende Informationen. In den letzten Jahren wurden Gene identifiziert, in denen bestimmte Mutationen ursächlich für die Entwicklung eines HPF-Syndroms sind, so dass heutzutage die molekulargenetische Untersuchung wichtiger Bestandteil der Diagnostik geworden ist. Die Kenntnis der beteiligten Gene und funktionellen Auswirkungen von Mutationen haben zur Entwicklung spezifischer Therapien geführt (IL-1- und TNF-alpha-Blocker), die nicht nur die Lebensqualität der Patienten verbessern, sondern auch das Risiko von Folgeschäden (sek. Amyloidose) erheblich mindern.

Literatur

Gattorno et al. 2019, Ann Rheum Dis 78:1025 / Martorana et al. 2017, Front Immunol 8:344 / ter Haar et al. 2015, Ann Rheum Dis 74:1636 / Federici and Gattorno 2014, Best Pract Res Clin Rheumatol 28:263 / Grumbt (Bangol) et al. 2011, Kinderärztliche Praxis 82:232 / Shinar et al. 2012, Ann Rheum Dis 71:1599

V.a. Hereditäres periodisches Fiebersyndrom

Ü-Schein Muster 10 mit folgenden Angaben

  • Diagnose: Hereditäres periodisches Fiebersyndrom
    (ICD-10 Code: [R50.-])
  • Auftrag: Mutationssuche ELANE, IL1RN, IL36RN, LPIN2, MEFV, MVK, NLRC4, NLRP12, NLRP3, NOD2, PSMB8, PSTPIP1, TMEM173, TNFRSF1A

Hinweis: Schriftliche Einwilligungserklärung gemäß GenDG erforderlich

1 ml EDTA-Blut