Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Zyklische Neutropenie (CyN) / schwere kongenitale Neutropenie (SCN)

Dr. rer. nat. Barbara Bangol, Dr. med. Kaimo Hirv

Wissenschaftlicher Hintergrund

Heterozygote Mutationen im ELANE-Gen, kodierend für die Neutrophilen-Elastase, sind ursächlich für die zyklische Neutropenie (CyN) und für etwa 40-80% der schweren kongenitalen Neutropenien (SCN). Der genaue Pathomechanismus durch den ELANE-Mutationen zu einem Mangel reifer neutrophiler Granulozyten im peripheren Blut führen, ist nicht bekannt. Eine direkte Rolle der Neutrophilen-Elastase in der Granulopoese konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Es besteht keine klare Genotyp-Phänotyp-Korrelation; einige Mutationen konnten sowohl bei CyN- als auch bei SCN-Patienten identifiziert werden.

Zyklische Neutropenien treten alle 2-3 Wochen für die Dauer von ca. 1 Woche auf und werden durch regelmäßige Kontrollen der Neutrophilenzahl über 2 Monate festgestellt. Bei Patienten mit gut dokumentierter zyklischer Neutropenie und bekannten betroffenen Familienmitgliedern liegt die Detektionsrate von Mutationen im ELANE-Gen bei 90-100%. Die CyN zeigt eine variable Symptomatik in Abhängigkeit der Dauer und Schwere der Neutropenie: schwere bakterielle Infektionen, Pneumonien, Abszesse, Lymphadenitis, Stomatitis, Haut- und Schleimhautulzerationen oder nur Fieberschübe können auftreten.

Die SCN ist gekennzeichnet durch eine permanent stark erniedrigte Absolutzahl neutrophiler Granulozyten im peripheren Blut, was bereits im 1. Lebensjahr zu schweren Infektionen, Pneumonien, Otitiden, Stomatitiden, Abszessen, Haut- und Schleimhautulzerationen führt.

Erweiterte Diagnostik mittels NGS-Panelanalyse

Häufigste genetische Ursache einer kongenitalen Neutropenie sind Mutationen im ELANE-Gen. In selteneren Fällen liegen Mutationen in anderen SCN-assoziierten Genen vor. Mittels NGS-Panelanalyse können weitere 18 Gene getestet werden, die in kausalem Zusammenhang mit Neutropenien stehen.

Literatur

Shearer et al. 2014, J Allergy Clin Immunol 133:1092 / Buckley et al. 1997, J Pediatr 130:378 / Puck et al. 1997, Blood 89:1968 / Puck et al. 1993, Hum Mol Genet 2:1099