Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Peutz-Jeghers Syndrom (PJS)

Dr. rer. nat. Anne Holtorf, M.Sc. Sarah Fischer

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das Peutz-Jeghers-Syndrom (PJS, oder hamartomatöse Polyposis intestinalis) ist eine seltene, autosomal-dominant vererbte Erkrankung, die in ca. 50 % der Fälle sporadisch auftritt. Die Häufigkeit wird auf 1-9:1.000.000 geschätzt.

Zwei Symptomenkomplexe sind charakteristisch: 1) Hamartomatöse Polypen im GI-Trakt (Prädilektion des Jejunums für Invaginationen, Obturationen und intestinale Blutungen, sekundäre Anämie), und 2) Pigmentflecken auf Lippen, Schleimhäuten, Fingern, Zehen und Vulva, welche meist im Kleinkind- bis Jugendalter auftreten. Die klinischen Diagnosekriterien wurden 2010 festgelegt. Patienten zeigen eine Disposition für gastrointestinale Tumoren sowie ein erhöhtes Risiko für Ovarial-, Cervix-, Pankreas-, Lungen-, Hoden und Brustkrebs. Anlageträger haben ein bis zu 90 %iges Kumulativrisiko, im Laufe des Lebens an einem intestinalen oder extraintestinalen Tumor zu erkranken.

Ursache für PJS sind Mutationen im STK11 (LKB1)-Gen, welches für eine Serin-Threonin-Kinase mit Tumorsuppressor-Aktivität codiert. Inaktivierende Mutationen führen zur Fehlregulation des mTOR-Signalübertragungsweges, der bei der Entstehung von hamartomatösen Syndromen eine zentrale Rolle spielt. Bei Patienten mit klinisch gesicherter Diagnose und positiver Familienanamnese liegt die Detektionsrate für Punktmutationen im STK11-Gen bei bis zu 70%, bei sporadischen Fällen bei 20-60%. Da 15-30% aller Mutationen im STK11-Gen Deletionen einzelner oder mehrerer Exons sind, kann die Sensitivität der Untersuchung bei Kombination mehrerer Methoden (z.B. Mutationssuche mittels DNA-Sequenzanalyse und MLPA (Multiplex Ligation-dependent Probe Amplification) oder CNV-Diagnostik (Copy number variation) auf über 90% gesteigert werden.

Literatur

Daniell et al.2018, Fam Cancer 17(3):421 / McGarrity et al. 2016, Peutz-Jeghers syndrome, GeneReviews®, www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK1266/ / Yang et al. 2010, Dig Dis Sci 55:3458 / Aretz 2010, Dtsch Arztbl Int 107:163 / Beggs et al. 2010, Gut 59:975 / Resta et al. 2010, Hum Genet 128:373 / Wei et al. 2008, Clin Cancer Res 14:1167 / de Leng et al. 2007, Clin Genet 72:568 / Hearle et al. 2006, J Med Genet 43:e15 / Volikos et al. 2006, J Med Genet 43:e18 / Aretz et al. 2005, Hum Mutat 26:513 / Schumacher et al. 2005, J Med Genet 42:428