Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Pankreaskarzinom [C25.-]

OMIM-Nummer: 260350KRAS (190070), GNAS (139320)

Dipl.-Ing. (FH) Tanja Hinrichsen, Prof. Dr. med. Barbara Dockhorn-Dworniczak

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das Pankreaskarzinom weist die niedrigste Überlebensrate unter allen Krebserkrankungen auf und ist die vierthäufigste Krebstodesursache. Da bösartige Neubildungen der Bauchspeicheldrüse in den frühen Stadien oft keine oder nur unspezifische Symptome verursachen, wird der Tumor häufig erst spät erkannt, so dass die relative 5-Jahres-Überlebensrate in Deutschland sowohl für Männer als auch für Frauen bei etwa 8 % liegt, wobei die seltenen bösartigen Tumoren der Inselzellen eine deutlich bessere Prognose aufweisen. Tumoren des exokrinen Pankreas machen etwa 95% der Fälle und Tumoren des endokrinen Pankreas etwa 5% der Fälle aus.

Es sind drei Vorläufer zum Pankreaskarzinom beschrieben. Die Mehrheit der Pankreastumoren entwickelt sich aus der Bauchspeicheldrüse betreffenden intraepithelialen Neoplasien (PanIN), welche entsprechend ihrem Grad der morphologischen Atypie weiter in PanIN-1, PanIN-2 und PanIN-3 unterteilt werden. Nahezu alle PanIN weisen Mutationen in KRAS auf und können im Verlauf weitere Mutationen in CDKN2A, TP53, SMAD4 und BRCA2 akkumulieren. Den PanIN gegenüber stehen die intraduktalen papillären muzinösen Neoplasien (IPMN) und die muzinösen zystischen Neoplasien (MCN), welche auch Mutationen in den o.g. Genen aufweisen können. Anders als PanIN sind IPMN und MCN häufig makroskopisch und detektierbar mittels konventioneller bildgebender Verfahren. Jedoch konnten bisher beide Läsionen ohne Resektion und histologische Evalutation nicht voneinandern und von anderen benignen Läsionen unterschieden werden. Hochdurchsatzuntersuchungen haben nun aber gezeigt, dass entitätsspezifische Veränderungen vorliegen. So kommen Mutationen in GNAS Kodon 201 nur bei IPMN (41-66%), nicht aber bei MCN oder serösen Zystadenomen (SCA) sowie solid-pseudopapillären Neoplasien vor. Daher kann für die präoperative Diagnostik dieser Tumoren Zystenflüssigkeit zur Mutationsanalyse von GNAS verwendet werden.

Literatur

http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Bauchspeicheldruesenkrebs/bauchspeicheldruesenkrebs.html / Macgregor-Das AM et al, J Surg Oncol, 107(1):8 (2013) / Reid MD et al, Am J Clin Pathol, 141:168 (2014) / Hosoda W et al, Virchows Arch, 466:665 (2015)