Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Prämature Ovarialinsuffizienz (POI)

Dr. rer. nat. Annett Wagner, Dr. med. Imma Rost

Wissenschaftlicher Hintergrund

Mit bis zu 40% zählen ovarielle Störungen zu den wichtigsten Sterilitätsfaktoren bei der Frau. Die vorzeitige Ovarialinsuffizienz (Prämature Ovarialinsuffizienz, POI) äußert sich durch eine sekundäre Amenorrhoe und tritt bei ca. 1% aller Frauen vor dem 40. Lebensjahr auf. Ursache ist eine Störung im Hypothalamus-Hypophyse-Ovar-Regelkreis. Charakteristischerweise zeigt sich biochemisch ein hypergonadotroper Hypogonadismus. Aus dieser Konstellation ergeben sich neben der Infertilität klimakterische Beschwerden (Climacterium praecox) und z. T. weitere neurologische, metabolische und kardiovaskuläre Symptome. Als genetische Ursachen einer POI werden bei ca. 10% der betroffenen Frauen Prämutationen im FMR1 (Fragiles X-Mentale Retardierung) gefunden, in 2% Varianten im Gen BMP15 (Bone Morphogenetic Protein-15) und in weniger als 1% Varianten im Gen  FSHR (Follikel Stimulierendes Hormon Rezeptor). Außerdem wurden im Zusammenhang mit POI in einer Reihe anderer Gene ursächliche Varianten beschrieben, die eine diagnostische Sensitivität von je 1-2% haben: INHA, DIAPH2, FOXL2, NOBOX, FIGLA, NR5A1, STAG3, SOHLH1, SOHLH2, GDF9, LHCGR, ESR1

Literatur

Rossetti et al. 2017, Clin Genet 91: 183 / Ledig et Wieacker 2011, Med Gent 2:237 / Rossetti et al. 2009, Hum Mutat 30:804 / Lussiana et al. 2008, Obstet Gynecol Surv 63:785 / Dixit et al. 2006, Hum Genet 119:408 / Layman 2006, J Clin Endocrinol Metab 91:1673