Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Neurofibromatose-Noonan Syndrom (NF/NS)

Dr. rer. biol hum. Soheyla Chahrokh-Zadeh

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Neurofibromatose Typ 1 ist eine der häufigsten autosomal-dominant vererbten Erkrankungen, verursacht durch pathogene Varianten im NF1-Gen. Das entsprechende Protein, die RAS-spezifische GTPase Neurofibromin ist am Ras/Mitogen-aktivierten Proteinkinase-Signalweg beteiligt, weshalb diese Erkrankung den sog. RASopathien zugeordnet wird. Obwohl monogen vererbt, ist das klinische Erscheinungsbild sehr variabel, sogar innerhalb einer Familie. Aufgrund wiederholter Beobachtung von klinischen Symptomen des Noonan-Syndroms bei Neurofibromatose-Typ 1-Patienten wurde zunächst diskutiert, ob es sich hierbei um ein eigenständiges Krankheitsbild das sog. „Neurofibromatose-Noonan-Syndrom“ handelt, oder ob der NF1-Noonan-Phänotyp eine allelische Variante eines der beiden Krankheitsbilder darstellt. Dies konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. Nach den bisher vorliegenden Daten geht man eher davon aus, dass NF/NS als phänotypische Variante der NF1 einzuordnen ist.

Einige Symptome wie Kleinwuchs, psychomotorische Entwicklungsstörung und Skelettdeformitäten treten bei beiden Erkrankungen vergleichbar häufig auf. Ansonsten finden sich bei den NF/NS Patienten auch Café-au-lait-Flecken, Neurofibrome, Optikusgliome und klinische Symptome des Noonan-Syndroms wie faziale Dysmorphien und Herzfehler

Bei der NF/NS-Patientengruppe werden hauptsächlich Veränderungen im NF1-Gen gefunden, wobei diese mehrheitlich die sog. „GAP-related domain“, vereinzelt auch anderen Regionen des Neurofibromins betreffen. Die bei NF/NS nachgewiesenen NF1-Varianten können in einigen Fällen auch zum typischen NF1-Phänotyp führen. Andere NF1-Varianten erzeugen einen NF/NS-Phänotyp ohne Neurofibrome. Zudem sind in der Literatur auch NF/NS-Patienten mit pathogenen Varianten in zwei Genen, NF1 und PTPN11 beschrieben. Auch wird über Neurofibromatose-Typ 1-Familien berichtet, bei denen in späteren Generationen erstmals das kombinierte „NF/NS-Syndrom“ mit dem vollständig ausgeprägten Noonan-Phänotyp auftrat. Bei keinem der NF1-Patienten war jedoch das komplette Noonan-Syndrom-Spektrum mit Herzfehlern zu beobachten.

Literatur

Cizmárová et al. 2016, Annals of Hum Genet 80:50 / Ben-Shachar et al. 2012, Eur J Hum Genet. 21:535 / Gámez & Truchuelo 2011, Dermatology Online Journal 17:4 / Tartaglia et al. 2011, Best Pract Res Clin Endocrin Metab. 25:161 / Nyström et al. 2009, Clin Genet. 76:524 / Carey 1998, Am J Med Genet. 75:263