Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Nephrotisches Syndrom (NS)/Fokal segmentale Glomerulosklerose (FSGS)

Dipl.-Biol. Christina Sofeso

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das nephrotische Syndrom (NS) ist eine Erkrankung, die mit einer Dysfunktion des glomerulären Filters der Nieren einhergeht und zu exzessivem Verlust von Plasmaproteinen führt. Klinisch ist das NS durch eine große Proteinurie und Hypalbuminämie gekennzeichnet. Zusätzlich werden Ödeme und eine Hyperlipidämie beobachtet. Entsprechend verschiedener Erkrankungsursachen lässt sich das primäre NS - häufigste Form idiopathisch, aber auch genetisch bedingt - von sekundären Formen infolge anderer Begleiterkrankungen abgrenzen. Das primäre NS im Kindesalter tritt in ca. 80% idiopathisch mit i.d.R. steroid-sensitivem NS (SSNS) auf. Bei weniger als 20% handelt es sich um steroid-resistente NS (SRNS)-Fälle häufig mit histopathologischem Korrelat einer fokal-segmentalen Glomerulosklerose (FSGS) und altersabhängiger, teils sehr ausgeprägter genetischer Heterogenität. Bei Erwachsenen tritt das NS häufig sekundär im Rahmen anderer Grunderkrankungen wie immunologische Systemerkrankungen, metabolische Erkrankungen, chronische Infektionen oder Intoxikationen auf.

In Abhängigkeit von Studie und Anzahl der untersuchten Gene kann in etwa 30-50% der SRNS-Fälle eine genetische Ursache nachgewiesen werden; bei kongenitalem NS sogar in bis zu 97 % der Patienten. Studien bzgl. genetischer Ursachen bei Erwachsenen sind bisher nur eingeschränkt verfügbar. Beim kongenitalen NS zeigen ca. 85% der Fälle ursächliche Varianten in den Genen NPHS1, NPHS2, LAMB2 und WT1; bei adulten Fällen treten gehäuft Varianten in den Genen INF2, TRPC6, ACTN4, PAX2, LMX1B und CD2AP auf. Für das SSNS sind bis auf die seltene Ausnahme der Gene EMP2, KANK1 und KANK2 bisher keine genetischen Ursachen beschrieben.

Bei Nachweis einer genetischen Form des NS ist bei pädiatrischen Fällen i.d.R. keine weitere immunsuppressive Therapie indiziert; einzelne Patienten konnten jedoch in Teilremission mit Cyclosporin A gebracht werden. Erwachsene sprechen deutlich schlechter auf eine Glukokortikoidtherapie an, eine partielle Teilremission gilt bereits als Erfolg.

Literatur

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