Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Nephronophthise (NPHP)

Dipl.-Biol. Christina Sofeso

Wissenschaftlicher Hintergrund

Bei der Nephronophthise (NPHP) handelt es sich um eine autosomal-rezessiv vererbte tubulointerstitielle Nierenerkrankung, die zu den sogenannten Ziliopathien zählt verursacht durch eine Funktionsstörung primärer Zilien. Die Inzidenz wird in Europa mit ca. 1:50.000 angegeben. Es können isoliert die Nieren betroffen sein, es werden aber auch bei 10-40% der Patienten zusätzlich extrarenale Manifestationen, wie z.B. Retinitis pigmentosa (Senior-Løken-Syndrom), okulomotorische Apraxie Typ Cogan (Cogan-Syndrom) sowie Sehnervkolobome und Kleinhirnwurmaplasie (Joubert-Syndrom) beobachtet. Die Erkrankung ist phänotypisch und genetisch heterogen. Bisher konnten pathogene Varianten in über 25 Genen in Assoziation mit NPHP identifiziert werden. In Abhängigkeit vom durchschnittlichen Alter des Auftretens einer terminalen Niereninsuffizienz wird die NPHP in eine infantile (<4 J.), juvenile (ca. 13 J.) und adoleszente/adulte Form (etwa 19 J.) eingeteilt. Die häufigste Form stellt die juvenile NPHP dar, bei der in etwa 30-60% der Patienten eine homozygote Deletion des NPHP1-Gens als ursächlich nachgewiesen werden kann. In etwa 40-60% der NPHP-Patienten kann keine genetische Ursache gefunden werden.

Literatur

Titieni et König 2018, medgen 30:461 / Luo et Tao 2018, Nephrology (Carlton) 23:904 / König et al. 2017, Clin J Am Soc Nephrol 12:1974 / Chaki et al. 2011, Kidney Int 80:1239 / Hoefele et al. 2007, Der Nephrologe 2:372 / Hildebrandt & Omran 2001, Pediatr Nephrol 16:168 / Hildebrandt et al. 1997, Kidney 51:261