Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Muskeldystrophien und kongenitale Muskeldystrophien

Dr. rer. biol. hum. S. Chahrokh-Zadeh, Dr. med. Imma Rost

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Muskeldystrophien stellen eine Erkrankungsgruppe, welche progressive Muskelschwäche- und Degeneration verursachen. Die zugrundeliegenden Defekte betreffen Gene, die für eine normale Muskelfunktion erforderlich sind und die klinischen Manifestationen sind teilweise überlappend. Mit Hilfe von Immunhistochemischen- oder Immunfluoreszenz-Färbungen gelingt die Differenzierung nur einiger Untertypen, wie Dysferlinopathie, Dystrophinopathie oder Sarcoglykanopathien. Viele weitere, an der Erkrankung beteiligte, defekte Proteine sind nicht ohne weiteres bestimmbar. Die häufigsten Muskeldystrophien betreffen die Muskeldystrophie Duchenne, die Myotonen Dystrophien und die Fazioscapulohumerale Dystrophie. Andere, weniger häufige Muskeldystrophien betreffen die Gliedergürtel-, die Emery-Dreifuss- und die kongenitalen Muskeldystrophien. Pathogene Varianten in vielen Genen führen zu dieser Erkrankungsgruppe und ihre Differenzierung stellt oft eine große Herausforderung dar.

Die kongenitalen Muskeldystrophien sind selten, klinisch und genetisch heterogen mit unterschiedlichen, z.T. schweren Begleitsymptomen, wie Fehlbildungen des Zentralen Nervensystems oder der Augen und damit sehr variablen Verläufen. Ihre Prävalenz ist noch größtenteils unbekannt, wobei die Frequenz bestimmter Untertypen innerhalb verschiedener Bevölkerungsgruppen variieren soll. Verschiedene Klassifikationsstrategien wurden bisher vorgeschlagen, so z.B. die Einteilung der Typen in folgende Hauptkategorien:

Kollagenopathien autosomal-rezessive und autosomal-dominante (auch bekannt als Collagen-VI assoziierte Myopathie), inklusive Ullrich- und Bethlem-Myopathie

Merosinopathien autosomal-rezessive (auch bekannt als merosin-defiziente kongenitale Muskeldystrophie);

Dystroglycanopathien autosomal-rezessive (Alpha-Dystroglycan-assoziierte Muskeldystrophien) inklusive Fukuyama kongenitale Muskeldystrophie, Muskel-Auge-Gehirn-Erkrankungen (MEB), Walker-Warburg-Syndrom (WWS), primäre Alfa-Dystroglycanopathie und Muskeldystrophie-Dystroglykanopathien der Typen 10, 11 und 14.

In die Gruppe der unklassifizierten kongenitalen Muskeldystrophien sollten das Rigid-Spine-Syndrom (SEPN1 und FHL1), Multiminicore disease und die Gliedergürtel-Muskeldystrophie (LMNA).

Literatur

Falsaperla et al. 2016, Ital J of Ped 42:78/ Kang et al. 2015, Neurol 84:1369 / Dai et al. 2015, Neuromusc Dis 25:617 / Chae et al. 2015, J Med Genet 52:208 / Sparks et al. 2012, Genereviews