Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Multiple endokrine Neoplasie Typ 4 (MEN4) [D44.-]

OMIM-Nummer: 610755, 600778 (CDKN1B)

Dr. rer. nat. Anne Holtorf, M.Sc. Sarah Fischer

Wissenschaftlicher Hintergrund

Multiple endokrine Neoplasie-Syndrome (MEN-Syndrome) sind seltene erbliche Erkrankungen, welche durch das Auftreten von Neubildungen in endokrinen Drüsen charakterisiert sind. Abhängig vom Phänotyp und dem betroffenen Gen unterscheidet man MEN1, MEN2 und MEN4.

Das MEN4-Syndrom ist äußerst selten. Bislang sind nur wenige betroffene Familien mit unvollständiger Penetranz beschrieben. Klinisch ähnelt MEN4 dem MEN1-Syndrom, die meisten Patienten weisen einen Hyperparathyreoidismus oder Hypophysenneoplasien auf. Außerdem wurden bei Betroffenen kleinzellige Zervixkarzinome, Nebennierentumoren, Bronchial- und Magenkarzinoide oder papilläre Schilddrüsentumoren, oder auch nicht-endokrine Tumoren (u.a. Menigiome, Prostata-, Brustkrebs, Schwannome) diagnostiziert. Ursächlich für das MEN4-Syndrom sind Funktionsverlust-Mutationen im Gen CDKN1B. Das CDKN1B-Gen besteht aus zwei Exons und kodiert den Cyclin-abhängigen Kinaseinhibitor 1B (auch p27 genannt), welcher in die Regulation des Zellzyklus involviert ist.

Schätzungsweise 3% der Patienten mit MEN1-Symptomen sind Träger einer CDKN1B-Mutation. Die genetische Analyse des CDKN1B-Gens sollte erwogen werden bei Patienten mit MEN1-ähnlichem Phänotyp oder einem Hypophysenadenom, bei denen die Analyse des MEN1-Gens unauffällig blieb.

Aufgrund der bislang nur wenigen beschriebenen Anlageträger existieren noch keine einheitlichen Empfehlungen für ein Vorsorgeprogramm. Es empfiehlt sich, die Patienten (und Familien) an spezialisierte Zentren zu vermitteln. Im Rahmen einer genetischen Beratung können Anlageträger und Blutsverwandte das individuelle Erkrankungsrisiko und Möglichkeiten einer prädiktiven Untersuchung diskutieren.

Literatur

Alrezk et al. 2017, Endocr Relat Cancer 24:T195 / Wasserman et al. 2017, Clin Cancer Res 23:e123 / Pacheco 2016, J Pediatr Genet 5:89 / Thakker 2014, Mol Cell Endocrinol 386:2 / Pellegata et al. 2006, PNAS 103:15558