Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Morbus Fabry

Dipl.-Biol. Birgit Busse, Dr. rer. biol. hum. Katrin Goldmann,

Wissenschaftlicher Hintergrund

Morbus Fabry zählt zu den lysosomalen Speicherkrankheiten und ist eine angeborene, X-chromosomal vererbte Störung des Glycosphingolipid-Katabolismus, die durch eine herabgesetzte bzw. fehlende Aktivität des lysosomalen Enzyms Alpha-Galaktosidase A (GLA) bedingt ist. Ursächlich hierfür sind Mutationen im GLA-Gen. Der Enzymdefekt führt zu einer fortschreitenden systemischen Akkummulation von Glycosphingolipiden in verschiedenen Geweben und Organen. Zur Vermeidung schwerwiegender Komplikationen ist eine frühzeitige Diagnosestellung zur Therapieeinleitung von großer Bedeutung. Zu den Symptomen der Fabry-Erkrankung zählen Angiokeratome, Schmerzattacken, Funktionsstörungen verschiedener Organe, die im weiteren Krankheitsverlauf zu Schlaganfall, Herzinfarkt und Dialysepflicht führen können. Zeitpunkt der Erstmanifestation und Verlauf der Erkrankung sind hochvariabel, häufig beginnen die Beschwerden bereits im Kindesalter. 

Darstellung der betroffenen Organe und die dazugehörigen Symptome bei Morbus Fabry Organbeteiligung und Symptome bei Morbus Fabry
Hornhauttrübung (Cornea verticillata), Linsentrübung (Fabry-Katarakte) Augen Angiokeratome, Hypohidrose und dadurch erhöhte Temperatursensitivität Haut Proteinurie, Nierenschwäche, unbehandelt kommt es häufig zum Nierenversage Nieren Herzrhythmusstörungen, linksventrikuläre Hypertrophie Herz ZNS Durchblutungsstörungen, Kopfschmerzen, Schlaganfall, verminderte kognitive Leistungsfähigkeit Gastrointestinaltrakt abdominale Schmerzen, Diarrhoe, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen Ohren progressiver Hörverlust, Taubheit, Tinitus, Schwindel Nervenschmerzen, brennende Schmerzen in Armen und Beinen (Akroparästhesien) Nerven verminderte Knochendichte, Osteopenie, Osteoporose Skelett chronischer Husten, Kurzatmigkeit bzw. Atemnot bei körperlicher Anstrengung Lunge Organbeteilung und Symptome bei Morbus Fabry (mod. Vektorgrafik Freepik)


Die Inzidenz des klassischen M. Fabry bei Männern wird auf ca. 1:40.000 geschätzt. Im Gegensatz zu den meisten anderen X-chromosomal vererbten Erkrankungen sind heterozygote Frauen selten asymptomatisch und können behandlungsbedürftige Symptome bis hin zum Vollbild der Erkrankung entwickeln.

Seit 2001 besteht in Europa die Möglichkeit einer Enzymsubstitutionstherapie. Seit 2016 besteht alternativ für Patienten über 16 Jahren mit gesichertem M. Fabry die Möglichkeit einer oral einzusetzenden Chaperon-Therapie mit dem Wirkstoff Migalastat. Da die Therapie nur bei Vorliegen bestimmter Varianten im GLA-Gen wirksam ist, muss der GLA-Genotyp des Patienten bekannt sein. Eine Liste der einzelnen Varianten findet sich in der Fachinformation Galafold.

Literatur

and , 2002 Aug 5 [Updated 2017 Jan 5]. In: Adam MP, Ardinger HH, Pagon RA, et al., editors. GeneReviews® [Internet]. Seattle (WA): University of Washington, Seattle; 1993-2019. / Schäfer et al. 2005, Hum Mutat. 25:412 / Eng et al. 1993, Am J Hum Gen 53:1186 / Fachinformation Galafold