Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Marshall-Syndrom

Dr. rer. nat. Christoph Marschall

Wissenschaftlicher Hintergrund

Beim Marshall-Syndrom handelt es sich um eine autosomal-dominant vererbte Bindegewebsdysplasie, deren Häufigkeit auf 1:10.000 geschätzt wird. Die Erkrankung ist ähnlich dem Stickler-Syndrom durch Mittelgesichtshypoplasie, starke Kurzsichtigkeit und sensineurale Schwerhörigkeit gekennzeichnet. Patienten mit Marshall-Syndrom sind jedoch besonders oft kleinwüchsig, taub und zeigen stärker ausgeprägte Dysmorphiezeichen.

Die molekulare Ursache der Erkrankung liegt in einer Störung des Kollagen Typ XI, welches aus Heterotrimeren dreier unterschiedlicher Ketten a1(XI), a2(XI), a3(XI) aufgebaut ist. Die Ketten a1(XI), a2(XI) sind die Genprodukte von COL11A1 und COL11A2; a3(XI) ist ein posttranslational modifiziertes Produkt des COL2A1-Gens. Das Marshall-Syndrom ist auf Varianten im COL11A1-Gen zurückzuführen, häufig sind Spleißvarianten für ein fehlerhaftes Protein verantwortlich. Da beim Stickler-Syndrom in Ausnahmefällen auch das COL11A1-Gen betroffen ist, welches ebenfalls für Komponenten des Kollagen Typ XI codiert, erklärt sich aus der molekularen Pathologie das überlappende Spektrum klinischer Symptome beider Syndrome. Varianten im COL11A2-Gen sind hingegen die Ursache der autosomal-rezessiv vererbten otospondylomegaepiphysären Dysplasie mit missgebildeten Extremitäten bei fehlender Augensymptomatik.

Literatur

Guo et al. 2017, Hum Genome Variation 4:17040 / Khalifa et al. 2014, Am J Med Genet 164A:2601 / Acke et al 2014, Mol Genet Metab 113:230 / Majava et al. 2007, Am J Med Genet 143A:258 / Melkoniemi et al 2000, Am J Hum Genet 66:368 / Annunen et al 1999, Am J Hum Genet, 65:974