Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Marfan-ähnliche Erkrankungen

Dr. rer. nat. Karin Mayer

Wissenschaftlicher Hintergrund

Während heterozygote FBN1-Varianten die Ursache des dominant vererbten Ektopia Lentis-Syndroms (ECTOL1) sind, führen homozygote oder kombiniert heterozygote Varianten im ADAMTS4-Gen zur rezessiv vererbten isolierten Linsenluxation (ECTOL2). Differenzialdiagnostisch zum klassischen Marfan-Syndrom (MFS) ist aufgrund der phänotypischen Überlappungen der kraniofazialen, kardiovaskulären, Skelett- und Hautmanifestationen das Shprintzen-Goldberg-Syndrom (SGS) zu nennen, wobei mentale Retardierung und Hypotonie der Skelettmuskulatur zusätzlich vorkommen. SGS ist hauptsächlich durch Varianten im SKI-Gen bedingt. Die kongenitale kontrakturelle Arachnodaktylie (CCA) ist durch einen marfanoiden Habitus, Spinnenfingrigkeit, Gelenkkontrakturen, Kyphoskoliose, Muskelhypotonie, Ohrmuscheldysplasien und Aortenwurzelerweiterung gekennzeichnet. CCA ist durch Varianten im FBN2-Gen bedingt. Lujan-Fryns-Syndrom, das auch als X-chromosomale geistige Retardierung (XLMR) mit marfanoidem Habitus bezeichnet wird, weist mit marfanoidem Habitus, kraniofazialen Merkmalen, generalisierter Muskelhypotonie und Verhaltensproblemen sowohl Überlappungen mit MFS als auch mit SGS auf. Die Vererbung ist X-chromosomal-rezessiv mit Varianten in den Genen MED12, UPF3B und ZDHHC9.

Literatur

Ahram et al. 2009,  Am J Hum Genet 84:274 / Doyle et al. 2012, Nature Genet 44:1249 / Schwartz et al. 2007, J Med Genet 44: 472