Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Lujan-Fryns-Syndrom [Q87.8]

Dr. rer. nat. Karin Mayer

Wissenschaftlicher Hintergrund

Patienten mit Lujan-Fryns-Syndrom (LFS), das auch als X-chromosomale Intelligenzminderung (XLMR) mit marfanoidem Habitus bezeichnet wird, weisen einen marfanoidem Habitus, kraniofaziale Merkmale, generalisierte Muskelhypotonie, Entwicklungsverzögerung und Verhaltensprobleme, sowie eine nasale Sprache auf. Damit gibt es klinische Überlappungen zu anderen Bindegewebserkrankungen wie Marfan-Syndrom (MFS), Loeys-Dietz-Syndrom (LDS) und Shprintzen-Goldberg Syndrom (SGS). Die Vererbung ist X-chromosomal-rezessiv, so dass überwiegend männliche Patienten betroffen sind, während weibliche Überträgerinnen in der Regel klinisch unauffällig sind.

Als genetische Ursache wurden hemizygote Varianten im MED12-Gen identifiziert, das für den mediator complex subunit 12 codiert. Allelische Erkrankungen mit MED12-Varianten sind FG-Syndrom Typ 1 (FGS1) und das X-gebundene Ohdo-Syndrom (XLOS). In der Folge wurden bei Patienten mit Intelligenzminderung und marfanoidem Habitus auch Varianten in den Genen UPF3B und ZDHHC9 beschrieben, wobei diese Patienten nur teilweise die LFS-charakteristischen fazialen Auffälligkeiten wie ein langes schmales Gesicht, eine prominente Stirn, eine breite Nasenwurzel, ein kurzes Philtrum, eine Mikrognathie und einen hohen Gaumen aufwiesen.

Literatur

Charzewska et al. 2018, Clin Genet 94:450 / Hackmann et al. 2016, Am J Med Genet 170A:94 / Lyons In: Pagon, Adam, Ardinger, et al., (eds). GeneReviews® (Updated 2016 Aug 11) / Callier et al. 2013, Clin Genet 84:507 / Schwartz et al. 2007, J Med Genet 44:472 / Tarpey et al. 2007, Nat Genet 39:1127 / Raymond et al. 2007, Am J Hum Genet 80:982