Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Fish Eye Disease (FED)

Dr. rer. biol. hum. Katrin Goldmann, Dr. rer. nat. Christoph Marschall

Wissenschaftlicher Hintergrund

Fish Eye Disease (FED) ist eine seltene, autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung des Lipidstoffwechsels, die durch eine partielle Funktionsstörung des Leberenzyms Lecithin-Cholesterin-Acyltransferase (LCAT) hervorgerufen wird. Bei Patienten mit FED fehlt die Aktivität der alpha-lcat (lcat-Aktivität, die Cholesterin im HDL verestert), während die beta-lcat-Aktivität (lcat-Aktivität, die Cholesterin in anderen Lipoproteinen verestert) erhalten bleibt. Charakteristisch für FED ist eine extrem erniedrigte Serumkonzentration von HDL-Cholesterin (<10 mg/dl, Hypoalphalipropoteinämie) bei gleichzeitig reduziertem Cholesterinesteranteil, die auf eine Reifungsstörung der HDL-Partikel zurückzuführen ist. Für die Reifung von HDL spielt LCAT eine wesentliche Rolle, in dem es Cholesterinester als Kernmaterial für die Lipoproteine zur Verfügung stellt. Hauptwirkungsort von LCAT sind unreife ApoA-I-haltige HDL-Partikel.

Klinisch ist Fish Eye Disease durch Hornhauttrübungen gekennzeichnet, die den Augen der Betroffenen den Anschein gekochter Fischaugen verleihen. Ein vollständiger Funktionsausfall des LCAT-Enyzms wird als klassischer LCAT-Mangel bezeichnet und ist neben erniedrigten HDL-Konzentrationen und Hornhauttrübungen durch eine milde, reaktive Hypertriglyceridämie sowie Glomerulosklerose gekennzeichnet. Letztere kann zur transplantationspflichtigen Niereninsuffizienz führen. Ein erhöhtes Risiko für koronare Herzerkrankung ist für homozygote Anlageträger von LCAT-Mangel, nicht jedoch für Fish Eye Disease beschrieben.

Literatur

Vitali et al. 2017, Curr. Cardiol. Rep. 19:132 / Ramasamy I. 2016, Clin Chim Acta. 454:143 / Schaefer et al. 2016, Prog Cardiovasc Dis. 59:97 / Saeedi et al. 2015, Clin Biochem. 48:472