Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Kraniosynostosen - Übersicht

Dipl.-Biol. Christina Sofeso, Dr. med. Imma Rost

Wissenschaftlicher Hintergrund

Als Kraniosynostose wird die vorzeitige Verknöcherung von Schädelnähten bezeichnet. Daraus ergibt sich in Abhängigkeit davon, welche Schädelnähte von der Synostose betroffen sind, ein verändertes Schädelwachstum mit z.T. charakteristischen Kopfformen. Die meisten primären Kraniosynostosen sind angeboren und können isoliert oder als Teilsymptom verschiedener komplexer Syndrome auftreten. Die Gesamthäufigkeit liegt bei 1:2.000-3.000. Neben exogenen Ursachen (z.B. extreme Frühgeburt, Valproat-Embryopathie u.a.) werden bei ca. 25% aller Kraniosynostosen monogene Ursachen gefunden.

Schematische Darstellung einiger Kraniosynostosen

Die komplexen Formen zeigen eine oder mehrere Synostosen und z.T. weitere Symptome einer pathologischen Entwicklung knöcherner Strukturen wie z. B. Syndaktylien. Zu den klassischen Kraniosynostosesyndromen zählen:

Diese Syndrome werden autosomal-dominant vererbt und beruhen mit Ausnahme des Saethre-Chotzen-Syndroms auf Veränderungenin den Genen der Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptoren (FGFR) 1, 2 und 3. Das Saethre-Chotzen-Syndrom wird meist durch Mutationen im TWIST1-Gen verursacht. Zwischen den Syndromen gibt es klinisch Überlappungen.

 

Unter den isolierten Formen sind die Sagittalnaht- bzw. Metopicasynostose mit einem Anteil von ca. 50% die häufigsten, sie haben aber  nur in weniger als 1% nachweisbare genetische Ursachen, am ehesten Varianten in TWIST1. Bei einseitigen Koronarnahtsynostosen werden ursächliche Varianten in ca. 13% gefunden, bei beidseitigen Koronarnahtsynostosen in ca. 60%, bei Synostosen mehrerer Nähte in ca. 15%. Häufigste Ursache isolierter Koronarnahtsynostosen sind zur Haploinsuffizienz führende Varianten in TCF12.

 

Die molekulare Ursache der vorzeitigen Nahtverknöcherung ist noch nicht im Einzelnen verstanden. Die beteiligten Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptoren sind Tyrosinkinase-Rezeptoren, die in der Ossifikation eine wichtige Rolle spielen. TWIST interagiert mit FGFR.

Komplikationen sind Erhöhung des intrakraniellen Drucks, Sehbeeinträchtigung und Hörstörungen und bei einigen der Syndrome auch eine Entwicklungsverzögerung. Die Therapie ist operativ.

Literatur

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