Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Haarzellleukämie (HZL) [C91.4]

OMIM-Nummer: 164757 (BRAF)

Dipl.-Ing. (FH) Tanja Hinrichsen

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die HZL gehört zu den B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen mit niedrigem Malignitätsgrad und ist gekennzeichnet durch Splenomegalie, progressive Panzytopenie und trägen klinischen Verlauf. Die Bezeichnung stammt von charakteristischen leukämischen B-Zellen, die durch feine (“haarige“) Zytoplasma-Ausläufer auffallen und meist das Knochenmark infiltrieren. Es werden zwei Formen unterschieden: klassische HZL (90-95%) und HZL-Variante (HZL-V, 5-10%). Die meisten klassischen HZL-Fälle zeigen einen charakteristischen Immunphänotyp (CD5-, CD10-, CD11c+, CD20+, CD25+, CD103+, FMC7+), der eine Unterscheidung der “Haarzellen” von normalen B-Zellen und Zellen der HZL-V erlaubt. Etwa 1/3 der HZL-Fälle kann immunphänotypisch jedoch nicht klar zugeordnet werden. Da nur bei der klassischenHZL die Gesamtüberlebensrate durch Gabe von Purin-Nucleosid-Analoga (Cladribin, Pentostatin) verbessert werden kann, ist es von erheblicher klinischer Relevanz, die klassische HZL von der HZL-V und anderen splenischen B-Zell-Lymphomen zu unterscheiden.

Mittels Next Generation Sequencing (NGS) konnte bei nahezu allen Patienten mit klassischer HZL eine Mutation im Exon 15 des BRAF-Gens (BRAF-V600E) identifiziert werden, welche bei HZL-V nicht nachweisbar war. Die BRAF-V600E-Mutationsanalyse ergänzt daher die klinische und Labor-hämatologische Differenzialdiagnostikbei V.a. HZL und ermöglicht ein molekulares Monitoring unter Therapie. Das BRAF-Protein spielt eine zentrale Rolle im RAS/RAF/MEK/ERK-Signalweg und ist an der Regulation der Zellproliferation und -differenzierung sowie der Apoptose beteiligt. Die V600E-Substitution führt zu einer konstitutiven, Liganden-unabhängigen Aktivierung des Signalweges und somit zu einem Wachstumsvorteil der mutanten Zelle.

Literatur

Langabeer et al. 2012, Int J Lab Hematol, online / Tiacci et al. 2012, Blood 119:192 / Arcaini et al. 2012, Blood 119:188 / Xi et al. 2012, Blood 119:3330 / Tiacciet et al. 2011, NEJM 364:2305