Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

HNF1B-assoziierte kongenitale Fehlbildungen der Nieren und ableitenden Harnwege (CAKUT)

Dipl.-Biol. Christina Sofeso

Wissenschaftlicher Hintergrund

Angeborene Fehlbildungen der Nieren und ableitenden Harnwege (Congenital Anomalies of the Kidney and Urinary Tract, CAKUT) werden bei ca. 3-6 auf 1.000 Neugeborene beobachtet und sind die Hauptursache für chronisches Nierenversagen im Kindesalter. CAKUT umfasst ein großes Spektrum an strukturellen und funktionellen Malformationen, was zu einer defekten Morphogenese der Nieren und/oder ableitenden Harnwege führt. Das phänotypische Spektrum reicht von vesikoureteralem Reflux bis hin zur Nierenagenesie. Es konnten ursächliche Varianten in etwa 50 Genen identifiziert werden, die mit CAKUT assoziiert sind, wobei das HNF1B- und PAX2-Gen am häufigsten betroffen sind (ca. 5% der Fälle).

HNF-1ß, ein Transkriptionsfaktor, wird als essentieller Faktor für die embryonale Entwicklung der Nieren und der ableitenden Harnwege, des Pankreas und der Leber angesehen und wird durch das HNF1B-Gen kodiert. Der klinische Phänotyp kann bei Vorliegen einer pathogenen HNF1B-Veränderung stark variieren, auch innerhalb einer Familie bei Trägern der gleichen ursächlichen Veränderung. Pathogene HNF1B-Varianten führen u.a. zu einem breiten phänotypischen Spektrum renaler Erkrankungen oder Fehlbildungen wie z.B. Nierenhypoplasie, multizystisch dysplastische Nieren (MCDK), Einzelnieren und Nierenzysten, wobei letztere zu den häufigsten Manifestationen zählen. Bei gleichzeitigem Vorliegen von Nierenzysten und Diabetes spricht man von einem RCAD (renal cysts and diabetes)-Syndrom bzw. einem MODY-Diabetes Typ 5.

Literatur

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