Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

HIV-Therapie - HLA-B*57:01 (Abacavir-Therapie) [T88.7]

OMIM-Nummer: 142830, 123930 (HLA-B*5701)

Dr. med. Kaimo Hirv, Dipl.-Biol. Birgit Busse

Wissenschaftlicher Hintergrund

Hypersensitivität gegenüber dem HIV-Medikament Abacavir ist eine schwere Nebenwirkung, die den Einsatz des Wirkstoffs limitiert. Ca. 5-8% der Patienten entwickeln eine Hypersensitivitätsreaktion mit unspezifischen gastrointestinalen und respiratorischen Symptomen, sowie Fieber und Hautausschlägen. Obwohl das Absetzen des Medikaments zum raschen Abklingen der Symptome führt, ist eine erneute Behandlung kontraindiziert, da lebensbedrohliche Reaktionen auftreten können. Hypersensitivtät gegenüber Abacavir ist mit dem Vorhandensein des HLA-B*57:01-Allels (Prävalenz in der Bevölkerung ca. 5%) assoziiert. Es ist davon auszugehen, daß 48% bis 61% der Patienten mit diesem Subtyp eine Hypersensitivität auf Abacavir entwickeln, verglichen mit 0% bis 4% der Patienten, die HLA-B*57:01 negativ sind. Basierend auf den Ergebnissen der PREDICT-1 Studie verringert eine HLA-Typisierung vor Therapiebeginn signifikant die Häufigkeit der Hypersensitivitätsreaktionen. Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sollte jeder HIV-infizierte Patient vor Beginn der Behandlung mit Abacavir auf das Vorhandensein des HLA-B*57:01 Allels hin untersucht werden. Patienten mit HLA-B*57:01 sollten Abacavir nicht anwenden, außer, wenn basierend auf der Behandlungsgeschichte und den Ergebnissen der Resistenztestung keine andere Therapieoption für diese Patienten verfügbar ist. Auch von der FDA wurde dieser Zusammenhang in die Warnhinweise der Fachinformation aufgenommen (Fachinformation Ziagen®).

Literatur

BfArM 2016, Abacavir - Hypersensitivitätsreaktion / Swen et al. 2011, Clin Pharmacol Ther 89:662 / Fachinformation Ziagen® / Tozzi V 2010, Antiviral Res 85:190 / Mallal et al. 2008, N Engl J Med 358:568 / Chessman et al. 2008, Immunity 28:822 / FDA Alert 24.07.08