Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Ataxien, episodisch (EA)

Dr. rer. biol. hum. Soheyla Chahrokh-Zadeh, M.Sc. Anna Munzig

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die klinisch und genetisch heterogene Erkrankungsgruppe der autosomal-dominanten episodischen Ataxien wird in 7 Unterformen eingeteilt, wobei derzeit die genetische Ursache noch nicht bei allen Unterformen bekannt ist.  Leitsymptom aller Unterformen ist eine paroxysmale, Sekunden bis Minuten bzw. Stunden bis Tage andauernde Ataxie, häufig assoziiert mit Nystagmus und Dysarthrie.

Die am häufigsten vorkommende Form betrifft mit einer Prävalenz von ca. 1:100.000 die episodische Ataxie Typ 2 (EA2, CACNA1A) gefolgt von EA1 (KCNA1) mit einer nur geschätzten Prävalenz von 1:500.000.

Weitere Subtypen betreffen die selteneren Formen EA3, EA4, EA5 (CACNB4), EA6 (SLC1A3) und EA7, welche zum Teil nur für einzelne Familien beschrieben sind. Zuletzt wurde EA8 bei einer großen irischen Familie entdeckt, deren Mitglieder über 3 Generationen hinweg an einer für EA ungewöhnlichen, eher frühmanifestierenden Form (im 2. Lebensjahr) erkrankt sind und alle betroffenen eine pathogene Variante im UBR4-Gen aufwiesen. Alle bisher identifizierten Gene kodieren für Ionen-Kanal-Proteine, deshalb zählt diese Erkrankungsgruppe auch zu den sog. ‚Kanalopathien‘. Die Ionenkanalproteine befinden sich auf Membranen von Gliazellen oder Neuronen und haben wichtige Funktionen bei der exitatorischen Neurotransmission.

Literatur

Orsucci et al. 2019 Drugs Context 8:212576 / Choi et al. J Mov Disord. 2016 Sep; 9(3): 129 /Conroy et al. 2014 Eur J Hum Genet; 22: 505