Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Generalisierte Epilepsie mit Fieberkrämpfen plus (GEFS+)

Dr. rer. nat. Karin Mayer, M. Sc. Anna Munzig

Wissenschaftlicher Hintergrund

Bei der generalisierten Epilepsie mit Fieberkrämpfen Plus (GEFS+) handelt es sich um ein autosomal-dominantes Epilepsie-Syndrom mit großer phänotypischer Variabilität innerhalb derselben Familie. Charakteristisch sind Fieberkrämpfe auch nach dem sechsten Lebensjahr und eine Fieber-unabhängige, generalisierte tonisch-klonische Epilepsie, die mit Absencen, myoklonischen, atonischen oder fokalen Anfällen assoziiert sein kann.

Pathogene Varianten im SCN1A-Gen, das für die alpha1-Untereinheit eines neuronalen Natriumkanals codiert, sind mit 10-20% die häufigste Ursache für GEFS+. Dabei handelt es sich in der Regel um Aminosäureaustausche im SCN1A-Gen, die sowohl die Ursache der schweren myoklonischen Epilepsie des frühen Kindesalters (SMEI) als auch der GEFS+ sein können, wobei Missense-Varianten in der Porenregion des Natriumkanals häufiger mit der schwer verlaufenden SMEI assoziiert sind. Neben pathogenen SCN1A-Varianten sind bei GEFS+ auch Varianten weiteren Genen beschrieben. Dies sind unter anderem Gene für neuronale spannungsabhängige Natriumkanäle (SCN1B, SCN2A, SCN9A) oder für Untereinheiten des GABA-Rezeptors (GABRG2 und GABRD).

Literatur

Gerosa, et al. 2019, Dev Neurobiol 79: 75 / Liu et al. 2019, J Med Genet 56: 81 / Smith et al. 2018,  Epilepsia 59: 679 / de Lange et al. 2017, Neurogenetics 18: 147 / Duszyc et al. 2015, J Appl Genet 56: 49 / Depienne et al. 2011, Hum Mutat. 32:E1959 / Scheffer et al. 2009, Brain Dev 31:394 / Sun et al. 2008, J Hum Genet 53:769 / Wallace et al. 2001, Nat Genet 28:49 / Wallace et al. 1998, Nat Genet 19:366 / Scheffer and Bercovic 1997, Brain 120:479