Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Diabetes insipidus renalis (NDI)

Dr. rer. nat. Karin Mayer, Dipl.-Biol. Christina Sofeso

Wissenschaftlicher Hintergrund

Beim nephrogenen Diabetes insipidus (NDI) kann durch das Nichtansprechen der Nierentubuli auf antidiuretisches Hormon (ADH) der Urin nicht konzentriert werden. Symptome sind Polyurie, Polydipsie, Fieber, Obstipation und akute hypernatriämische Dehydratation nach der Geburt, die zu neurologischen Störungen führen kann. Das tägliche Urin-Volumen kann bei nicht behandelten Kindern 10 Liter überschreiten. Die zu geringe Osmolarität des Urins lässt sich durch Gabe von ADH nicht korrigieren. Die Prävalenz bei Neugeborenen wird mit 1-9:1.000.000 Jungen angegeben. Neben ausreichender Wasserzufuhr wird eine salz-, kalium- und eiweißarme Diät empfohlen, sowie die Gabe von Thiazid-Diuretika zusammen mit anti-inflammatorischen, nicht-steroidalen Medikamenten wie Amilorid und/oder Indometacin.

NDI wird in 90% der Fälle X-chromosomal vererbt. Ursache sind ursächliche Varianten im AVPR2-Gen auf Xq28, das für den Vasopressin V2-Rezeptor von ADH codiert. Über AVPR2 steigert ADH die Wasserpermeabilität der basolateralen Membran der renalen Tubuluszellen. Die X-chromosomale Form manifestiert sich klinisch nur im männlichen Geschlecht, einige heterozygote Überträgerinnen haben aber wegen der variablen X-Inaktivierung mild ausgeprägte Symptome des NDI. In 10% der Patienten liegt eine Variante im AQP2-Gen vor, das für Aquaporin-2 codiert, einen Vasopressin-sensitiven Wasserkanal der Nierentubuli. AQP2-Veränderungen können autosomal-rezessiv, in seltenen Fällen auch autosomal-dominant vererbt werden.

Literatur

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