Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Catecholaminerge polymorphe ventrikuläre Tachykardie (CPVT)

M.Sc. Alexander Moscu-Gregor, Dr. rer. nat. Christoph Marschall

Wissenschaftlicher Hintergrund

CPVT ist eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung des strukturell gesunden Herzmuskels, deren Inzidenz ca. 1:10.000 beträgt. Die Arrhythmien sind adrenerg induziert und manifestieren sich durchschnittlich im Alter von 8 Jahren. Typisch sind bi-direktionale oder polymorphe ventrikuläre Tachykardien. Unbehandelt führt die CPVT in 60% der Fälle zu Synkopen vor dem 40. Lebensjahr und in 30-50% der Fälle zu plötzlichem Herztod vor dem 30. Lebensjahr. Das Ruhe-EKG scheint normal zu sein. Je früher Synkopen auftreten, desto schlechter ist die Prognose, wobei bei Männern das Risiko für kardiale Ereignisse rund vierfach erhöht ist. Die Therapie erfolgt mittels ß-Blockern. Ca. 30% der Patienten bleiben jedoch symptomatisch und benötigen eventuell einen implantierbaren Defibrillator.

In 40-70% der CPVT-Patienten können ursächliche Varianten im  RYR2-Gen (Ryanodin Typ 2-Rezeptor) identifiziert werden. Dieser kardiale Ryanodin-Rezeptor ist der wichtigsten Ca++-freisetzenden Kanal des sarkoplasmatischen Retikulums (SR) und spielt eine zentrale Rolle bei der Aktivierung der Kardiomyozyten. Seltener sind Varianten in den Genen CASQ2 (Calsequestrin)  und TECRL (Trans-2,3-enoyl-CoA Reduktase-ähnlich), die in ca. 3-5% der Patienten nachweisbar sind und zu einer autosomal-rezessiv vererbten Form der CPVT führen. Varianten können in diesen drei Genen ein Ca++-Leckstrom aus dem SR verursachen. Ähnlich wie beim RYR1-Gen, das die Ursache der malignen Hyperthermie darstellt, befinden sich die Varianten häufiger am Carboxy-Terminus-codierenden Teil des RYR2-Gens.

Literatur

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