Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Coffin-Lowry-Syndrom (CLS)

Dr. med. Imma Rost

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das Coffin-Lowry-Syndrom ist ein X-chromosomal-dominant vererbtes Syndrom, dessen Leitsymptome im männlichen Geschlecht die mentale Retardierung (IQ 15 – 60) und ein charakteristisches Aussehen sind. Die Häufigkeit wird auf ca. 1:50.000 bis 1:100.000 geschätzt. Die äußeren Merkmale sind eine betonte Stirn, weiter Augenabstand, nach außen unten verlaufende Lidachsen, kräftige Nase mit evertierter Nasenbodenebene, volle Lippen und evertierte Unterlippe, überstreckbare Hand- und Fingergelenke, breite, spitz zulaufende Finger. Im Säuglings- und Kleinkindalter imponiert eine Muskelhypotonie. Die Endgröße liegt meist unter der 3. Perzentile. 80% der Betroffenen entwickeln eine progrediente Kyphoskoliose, z. T. mit kardiovaskulären Komplikationen, ebenso viele haben eine Trichter- oder Hühnerbrust, ca. 15% zeigen eine Mitralinsuffizienz, etwa 30% eine Innenohrschwerhörigkeit. Krampfanfälle treten in ca. 5% auf, „drop attacks“, ein plötzlicher Tonusverlust bei erhaltenem Bewusstsein auf akustische oder taktile Reize in ca. 20%. Frauen sind in der Regel leichter betroffen, wobei das Symptomenspektrum in Abhängigkeit von der X-Inaktivierung von unauffälligem Phänotyp mit normaler Intelligenz bis zum Vollbild wie im männlichen Geschlecht reichen kann.

Verursacht wird das CLS durch Mutationen im RPS6KA3-Gen auf dem Kurzarm des X-Chromosoms (Xp22.1-22.2). Das Gen codiert für eine Serin-Threonin-Kinase. Etwa 60% sind Neumutationen. Keimzellmosaike wurden beschrieben.

Literatur

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