Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Kongenitale Defekte der Glykosylierung (CDG-Syndrome)

Dipl.-Biol. Birgit Busse

Wissenschaftlicher Hintergrund

Kongenitale Defekte der Glykosylierung sind erblich bedingte Defekte der Glykoproteinbiosythese und zählen zu den genetischbedingten Stoffwechseldefekten. Es handelt sich meist um schwere Multiorganerkankungen mit häufig ausgeprägten neurologischen Störungen. Mittlerweile sind verschiedenste Subtypen der CDG-Syndrome bekannt,  die nach der Lokalisation des jeweiligen Defektes innerhalb der Zelle und nicht nach klinischen Gesichtspunkten eingruppiert wurden. Mittels NGS-Paneldiagnostik können aktuell 43 Gene für verschiedene CDG-Typen untersucht werden.

Am häufigsten ist das CDG-Syndrom Typ Ia, verursacht durch einen Phosphomanno-Mutase-Mangel durch Mutationen im PMM2-Gen. Typisch ist eine ausgeprägte Entwicklungsstörung, es können Hirnfehlbildungen, Skelett-Anomalien, invertierte Mamillen, Gerinnungsdefekte und weitere Symptome hinzukommen. Die Verdachtsdiagnose wird in der Regel zunächst durch eine Stoffwechseldiagnostik mittels Nachweis einer abnormen Glykosylierung der Glykoproteine des Serums, durch eine Serum-Transferrin-Elektrophorese, gestellt und dann mittels molekulargenetischer Untersuchung bestätigt. Ein solcher Nachweis einer auffälligen Glykosylierung der Glykoproteine des Serums liegt jedoch nicht bei allen Typen der CDG-Syndrome vor, so dass bei weiterhin bestehendem Verdacht, auch im Falle eines unauffälligen Befundes der Serum-Transferrin-Elektrophorese, eine NGS-Paneldiagnostik indiziert sein kann und im Einzelfall zur Diagnose und damit zu genaueren Aussagen zur Prognose und zum Wiederholungsrisiko führen kann.

Literatur

Gilfix B.M. 2019, Hum Mutat. 40:1010 / Francisco et al. 2019, J Inherit Metab Dis. 42:29 / Francisco et al. 2019, Mol Genet Metab. 126:1 / van Tol et al. 2019, Curr Opin Struct Biol. 56:107 / Chang et al. 2018, Ann Transl Med. 6:477