Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Brugada-Syndrom

M.Sc. Alexander Moscu-Gregor, Dr. rer. nat. Christoph Marschall

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das Brugada-Syndrom (BrS) ist eine der häufigsten Ursachen des plötzlichen Herztods (SCD) und für ca. 20% der Fälle mit strukturell unauffälligem Herzen verantwortlich. Es handelt sich um eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung mit unvollständiger Penetranz und genetischer Heterogenität. Die Häufigkeit beträgt weltweit durchschnittlich 1:5.000-10.000, wobei Männer rund acht bis zehnmal häufiger betroffen sind.  Die Erstmanifestation kann in früher Kindheit erfolgen, typisch jedoch im Alter von 30-40 Jahren. Charakteristisch für das BrS ist die im EKG persistierende ST-Segment-Hebung in der rechtspräkordialen Ableitung (BrS Typ I-EKG), die in manchen Fällen nur mittels Antiarrhythmika wie Ajmalin oder Flecainid demaskiert werden kann.

Beim Brugada-Syndrom besteht eine Neigung zu schnellen polymorphen ventrikulären Tachykardien und Kammerflimmern. Die Symptome treten oft nachts auf und führen häufig zum plötzlichen Herztod. Das Risiko für einen plötzlichen Herztod beträgt in Abhängigkeit von der klinischen Symptomatik 2-15%/Jahr. Die aktuellen Richtlinien empfehlen die ICD-Implantation bei allen BrS-Patienten mit vorangegangenen, arrhythmie-bezogenen Symptomen. Die zusätzliche Behandlung mit Chinidin hat sich bei Patienten mit multiplen ICD-Schocks und elektrischen Stürmen oder bei Risikokindern als nützlich erwiesen. Bei Hoch-Risikopatienten kann eine Katheterablation (z.B. des Epikards des rechtsventrikulären Ausflusstrakts) in Betracht gezogen werden, welche nicht nur das Auftreten von Arrhythmien reduziert, sondern auch das BrS-typische EKG-Muster beseitigen kann.

In bis zu 25% der Fälle können pathogene Varianten im SCN5A-Gen (Natriumkanal Nav1.5) nachgewiesen werden, welche zur Reduktion des einwärtsgerichteten Natriumstroms und somit zum BrS Typ 1 führen.

In 1-10% der Fälle mit BrS Typ I-EKG liegen andere Formen des Brugada-Syndroms vor. Einige Patienten tragen pathogene Varianten in den Calcium-Ionenkanal-Genen CACNA1C (alpha-1C-Untereinheit, Ca-Kanal, Cav1.2, BrS3) und CACNB2 (ß2-Untereinheit, BrS4). Diese Varianten führen neben der ST-Segment-Hebung zu relativ kurzen QTc von 330-370 ms. Einige Formen sind sehr selten und daher nicht Bestandteil der Routine-Diagnostik. In ca. 70% aller Fälle des Brugada-Syndroms kann keine ursächliche Variante nachgewiesen werden. Die Kombination von häufigen Polymorphismen scheint mit einem bis zu 20-fach erhöhten Risiko für Brugada-Syndrom assoziiert zu sein.

Literatur

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