Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Bikuspide Aortenklappe, mit Risiko für Aortenaneurysma und Aortenstenose/ -dilatation

Dr. rer. nat. Karin Mayer

Wissenschaftlicher Hintergrund

Eine bikuspide Aortenklappe ist eine häufige Herzfehlbildung, die in 1-2% der Allgemeinbevölkerung vorkommt. Oftmals sind Aneurysmen der Aorta ascendens mit einer bikuspiden Aortenklappe assoziiert. Patienten mit einer bikuspiden Aortenklappe entwickeln häufig weitere Komplikationen wie eine Aorteninsuffizienz, Aortenstenosen, sowie Aortenaneurysmen und –dissektionen. Die genetische Ätiologie der bikuspiden Aortenklappe ist heterogen. Viele Patienten mit einer bikuspiden Aortenklappe haben eine positive Familienanamnese mit autosomal dominantem Erbgang. Zum Teil tritt eine bikuspide Aortenklappe in Verbindung mit einer syndromalen Aortenerkrankung wie Loeys-Dietz-Syndrom oder einer nicht-syndromalen familiären TAAD auf, wobei Varianten in den Genen TGFBR1, TGFBR2, SMAD3, TGFB2, TGFB3 sowie FBN1, ACTA2 und MYH11 identifiziert wurden. Varianten im NOTCH1-Gen, das für einen Transmembranrezeptor der NOTCH-Siagnaltransduktion codiert, wurden bei maximal 10% der untersuchten Familien mit dominant vererbter bikuspider Aortenklappe (AOVD1) identifiziert. Varianten in SMAD6 (SMA- and MAD-related Protein 6), das für ein weiteres Molekül innerhalb des Transforming Growth Factor-ß Signalübertragungswegs in der Arterienwand codiert, wurden bei 1-3% der Patienten mit einer bikuspiden Aortenklappe und Aortendissektionen beschrieben (AOVD2). Varianten in ROBO4, das für einen Regulator der Endothel-Zellmigration und Angiogenese (Roundabout guidance Rezeptor 4) codiert, wurden bisher bei 2% Patienten mit bikuspider Aortenklappe und Aneurysmen der Aorta ascendens identifiziert (AOVD3), wobei einige der Patienten einen Vorhofseptumdefekt aufwiesen. Varianten in GATA5, das für einen Zinkfinger-Transkriptionsfaktor codiert, wurden in 1-3% der Patienten mit bikuspider Aortenklappe identifiziert.

Literatur

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