Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Hereditäres papilläres Nierenzellkarzinom (HPRCC)

OMIM-Nummer: 605074, 164860 (MET)

M.Sc. Sarah Fischer, Dr. rer. nat. Anne Holtorf

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das hereditäre papilläre Nierenzellkarzinom (hereditary papillary renal cell carcinoma, HPRCC) ist ein Prädispositionssyndrom mit erhöhtem Risiko für Typ-1 papilläre Nierenzellkarzinome, die häufig beidseitig und multifokal auftreten. Die Karzinome werden erst relativ spät - zw. dem 50. und 70. LJ - manifest. Angaben zur Prävalenz gibt es nicht, derzeit sind nur wenige Familien mit HPRCC beschrieben. Andere Manifestationen im Zusammenhang mit HPRCC wurden bislang nicht beobachtet.

Ursächlich sind gain-of-function-Varianten im MET-Protoonkogen. MET kodiert eine Rezeptor-Tyrosin-Kinase, die nach Ligandbindung und Dimerisierung eine Reihe intrazellulärer Signalwege induziert und somit Zellwachstum, Proliferation und Migration fördert. Im Gegensatz zu den meisten Tumorprädispositionssyndromen führen genetische Veränderungen in MET zu einem Funktionszugewinn, die eine gesteigerte Kinaseaktivität zur Folge hat. Zur Ausbildung von Nierenzellkarzinomen kommt es vermutlich aber erst nach spontaner, somatischer Duplikation des mutierten MET-Allels.

Vorsorgeempfehlungen für Anlageträger und Risikopersonen gibt es nicht. Die jährliche Untersuchung der Nieren mittels MRT wurde vorgeschlagen.

Literatur

Maher 2018, World J Urol 36:1891 / Tovar and Graveel 2017, Ann Transl Med 5:205 / Schmidt and Linehan 2016, Semin Oncol 43:566 / Salvi et al. 2008, Int J Oncol 33:271