Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

HIV-Selbsttest - zu Hause testen - was ist zu beachten?

Die kürzliche Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung erlaubt die Abgabe von HIV-Selbsttests - so genannten "Heimtests" - an Privatpersonen. Bisher war die Durchführung dieser Untersuchung nur unter ärztlicher Aufsicht und durch medizinisches Fachpersonal möglich. Durch die Zulassung des HIV Selbsttest erhoffen sich Experten, dass Infektionen zu einem früheren Zeitpunkt erkannt und behandelt werden und dadurch die Weitergabe von Infektionen verhindert wird.

Es ist zu erwarten, dass viele Patienten diese anonyme Art der Testung nutzen werden. Für diese Personen gilt es, sich gründlich über das Verfahren zu informieren und Verschiedenes zu beachten:

Selbsttests detektieren Antikörper gegen HIV, einige zusätzlich auch Bestandteile des Virus (Antigene). Die Antikörper werden in Einzelfällen erst 12 Wochen nach dem Risikokontakt in ausreichender Menge für einen Nachweis gebildet. Es kann mit einem Antikörpertest deshalb nur dann eine Infektion ausgeschlossen werden, wenn der vermutete Zeitpunkt des HIV-Risikokontakts 12 Wochen oder länger zurückliegt.

Bei HIV-Selbsttests handelt es sich um äußerst sensitive Verfahren. Das bedeutet, dass es auch immer wieder zu falsch positiven Ergebnissen bei deren Verwendung kommen kann. Daher müssen positive Ergebnisse dringend mit den in Routinelaboren gebräuchlichen Standardverfahren abgeklärt und ggf. bestätigt werden.

Die aktuellen Leitlinien zur labordiagnostischen Diagnose einer HIV-Infektion sehen ein Stufenverfahren vor. In einem hochsensitiven (d.h. der Test erkennt positive Proben als positiv) Suchtest werden die zu untersuchenden Proben gescreent. Diese Untersuchung entspricht in ihrer Aussage dem nun zur Verfügung stehenden Selbsttest.

In der nächsten Stufe werden positive Suchtestproben in einem hochspezifischen (d.h. der Test erkennt negative Proben als negativ) Bestätigungstest untersucht. Dafür ist ein sog. Westernblot/Immunoblot geeignet. Seit einiger Zeit ist die Bestätigung positiver Suchtests auch mittels PCR erlaubt. Erst nach Durchführung dieser zweiten diagnostischen Stufe unter ärztlicher Aufsicht und nach Bestätigung des positiven Suchtestergebnisses kann sicher von einer HIV-Infektion gesprochen werden.

Quelle:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/guv-19-lp/hiv-selbsttest.html