Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Multiple endokrine Neoplasien (MEN-Syndrome)

Dr. rer. nat. Anne Holtorf, M.Sc. Sarah Fischer

Multiple endokrine Neoplasien (MEN) bezeichnen eine Gruppe von Syndromen, die die Ausbildung von Läsionen endokriner Organe begünstigen. Prinzipiell unterscheidet man - in Abhängigkeit vom Phänotyp und dem betroffenen Gen - die drei Syndrome MEN1, MEN2 und MEN4.

MEN1 (OMIM #131100) ist mit dem Auftreten von Nebenschilddrüsenadenomen assoziiert (>95% der Betroffenen). Außerdem können bei Betroffenen Adenome oder maligne Tumoren des endokrinen Pankreas oder Duodenums, der Adenohypophyse, seltener auch Nebennierenläsionen/ Phäochromozytome oder Schilddrüsenläsionen beobachtet werden. Das MEN1-Syndrom wird durch loss-of-function-Mutationen im MEN1-Gen (OMIM *613733) hervorgerufen.

Bei Betroffenen des MEN2-Syndroms werden hauptsächlich medulläre Schilddrüsenkarzinome diagnostiziert (familiäres medulläres Schilddrüsenkarzinom, FMTC, OMIM #155240). Des Weiteren können hier zusätzlich Nebenschilddrüsenadenome (etwa 50% der Betroffenen) und/oder Phäochromozytome beobachtet werden (MEN2A, OMIM #171400). Seltener können auch weitere phänotypische Ausprägungen, wie marfanoider Habitus, intestinale Ganglioneuromatosen und/oder Schleimhautneurome, beobachtet werden (MEN2B, auch als MEN3 bezeichnet, OMIM #162300). Die verschiedenen Unterformen des MEN2-Syndroms gehen auf gain-of-function-Mutationen im RET-Gen zurück (OMIM *164761).

MEN4 (OMIM #610755) ist äußerst selten und ist mit pathogenen Varianten in CDKN1B (OMIM *600778). assoziiert. Bei den bislang wenigen identifizierten Betroffenen manifestierten sich - ähnlich wie beim MEN1-Syndrom - hauptsächlich Hyperparathyreoidismus und/oder Hypophysenadenome. Zusätzlich sind bei MEN4-Patienten bereits Nebennierentumoren, Schilddrüsentumoren, Zervixkarzinome, Bronchial- und Magenkarzinoide aufgetreten.

Da sich die Symptome der MEN-Syndrome z.T. überschneiden und folglich keine eindeutige Verdachtsdiagnose geäußert werden kann, kann eine Paneldiagnostik aller drei Gene sinnvoll sein. Bei bestimmten Symptomen, wie z.B. dem Auftreten eines Phäochromozytoms, sollten auch andere Syndrome wie das von Hippel-Lindau-Syndrom (VHL) oder das Paragangliom-/Phäochromozytomsyndrom differenzialdiagnostisch in Betracht gezogen werden.

Literatur

Alrezk et al. 2017, Endocr Relat Cancer 24:T195; Cardoso et al. 2016, Hum Mutat 38:1621; Thakker 2016, J Intern Med 280:574; Pappa und Alevizaki 2016, Endocrine 53:7; Pacheco 2016, J Pediatr Geent 5:89