Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Propionazidämie

Dipl.-Biol. Birgit Busse

Wissenschaftlicher Hintergrund

Bei der Propionazidämie handelt es sich um eine seltene autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselerkrankung aus der Gruppe der Organoazidopathien. Der Erkrankung liegt eine Defizienz des  Enzyms Propionyl-CoA-Carboxylase zugrunde, die durch Mutationen in den Genen der Alpha- und Beta-Untereinheit (PCCA, PCCB) des Enzyms bedingt ist. Dadurch ist die Umwandlung von Propionyl-CoA zu Methylmalonyl-CoA beeinträchtigt  und es kommt zu einer Akkumulation von Propionyl-CoA und dessen Metaboliten, die z.T. im Blut und Urin nachweisbar sind. Eine erhöhte Konzentration von Propionyl-CoA führt zu einer übermäßigen Bindung des Coenzym A, wodurch verschiedene Stoffwechselwege in den Mitochondrien gestört werden.

Die Symptome ähneln denen der  Methylmalonazidurie (ketoazidotisches Koma, Hyperammonämie, Krämpfe) und  treten zumeist bald nach der Geburt auf. Bei späterem Beginn sind unter anderem  Muskelhypotonie, Verdauungsstörungen, rezidivierende komatöse Zustände und mentale Retardierung zu beobachten. Weiterhin sind - neben akuten Stoffwechselentgleisungen - neurologische Symptome, Kardiomyopathien sowie akute Pankreatitis weitere Komplikationen des Enzymmangels. Das Spektrum der Symptome ist weitreichend und kann verschiedenste Organsysteme betreffen. Die Diagnose wird primär durch laborchemische Untersuchungen gestellt. Die genetische Untersuchung dient der Bestätigung der Verdachtsdiagnose.

Literatur

et al. 2016, Propionic Acidemia, Gene Reviews