Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Methylmalonazidurie, Vitamin B12-resistent

Dipl.-Biol. Birgit Busse

Wissenschaftlicher Hintergrund

Bei der Vitamin B12-resistenten Methylmalonazidurie (MMA) handelt es sich um eine sehr seltene autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselerkrankung aus der Gruppe der Organoazidopathien, die durch eine Anhäufung und vermehrte renale Ausscheidung von Methylmalonsäure charakterisiert ist. Dadurch kommt es in der Regel bereits in den ersten Lebenswochen unter anderem zu rezidivierendem ketoazidotischem Koma und/oder Hyperammonämie, Episoden mit Erbrechen, Dehydratation, Muskelhypotonie und später Entwicklungsstörung.

Der Vitamin B12-resistenten Methylmalonazidurie liegt eine Defizienz des mitochondrialen Vitamin B12-abhängigen Enzyms Methylmalonyl-CoA-Mutase zugrunde, wodurch der Abbau von Methylmalonyl-CoA zu Succinyl-CoA beeinträchtigt ist. Dadurch kommt es zu einer Akkumulation von Methylmalonyl-CoA, das auf einem alternativen Abbauweg in Methylmalonsäure umgewandelt wird.

Pathogene Varianten im Gen der Methylmalonyl-CoA-Mutase (MUT) führen zu einer partiellen (mut–) oder vollständigen (mut0) Defizienz des Enzyms. Bei dieser Form der Erkrankung wirkt sich eine Substitution mit Vitamin B12 in der Regel nicht mildernd auf die Sympomatik der Erkrankung aus (Vitamin B12-unabhängige Form). Das Krankheitsbild der partiellen Enzymdefizienz (mut–) ist meist milder als bei komplettem Verlust der Enzymaktivität (mut0).

Neben der Vitamin B12-resistenten Form sind verschiedene andere Formen der genetisch bedingten Methylmalonazidurie bekannt. Darüberhinaus gibt es auch eine alimentär verursachte Form ohne genetischen Hintergrund bei schwerem Vitamin-B12-Mangel.

Literatur

Manoli et al. 2016, Isolated Methylmalonic Aciduria, Gene Reviews