Abstammungsanalysen

Dr. rer. nat Christoph Marschall, Dipl.-Biol. Christine Nitsch

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die DNA- oder Genotypisierung mittels Mikrosatelliten (MS) ist als Beweismittel bei forensischen Fragestellungen sowie Abstammungsanalysen, wie z. B. einem Vaterschaftstest, weltweit anerkannt. MS sind nicht-codierende DNA-Regionen, die über das gesamte Genom verstreut anzutreffen sind und aus einer variablen Anzahl von Wiederholungen eines bestimmten Sequenzmotivs bestehen. Jedes Individuum trägt in jeder kernhaltigen Zelle zwei Kopien (Allele) dieser Mikrosatelliten, die je nach Herkunft vom Vater oder von der Mutter unterschiedliche Längen aufweisen können.

Link Vaterschaftstest Homepage

Ausführliche Informationen finden Sie auch unter:
www.abstammungsanalyse.de

Das Muster der Längen mehrerer Mikrosatelliten ist für jeden Menschen (ausgenommen eineiige Zwillinge) einzigartig und bildet den sogenannten genetischen Fingerabdruck. So können durch die gleichzeitige Untersuchung mehrerer Mikrosatelliten, den Vergleich des Musters zwischen verschiedenen Personen und die Anwendung anerkannter biostatistischer Verfahren Verwandtschaftsverhältnisse wie eine Vaterschaft mit hoher Sicherheit festgestellt bzw. ausgeschlossen werden.

Häufige Fragestellungen sind:

  • Triofall: Analyse von drei Personen (beide Elternteile und Kind); die Analyse kann mit sehr hoher Sicherheit klären, ob z.B. der potentielle Vater (Putativvater) der leibliche Vater ist oder nicht
  • Defizienzfall: Analyse von zwei Personen (ein Elternteil und Kind); die Analyse kann Verwandtschaftsverhältnisse mit hoher Sicherheit klären
  • Zwillingsanalyse: Untersuchung von Zwillingen gleichen Geschlechts, die MS-Analyse kann sicher klären, ob Ein- oder Zweieiigkeit vorliegt

Die Aussagekraft von Abstammungsanalysen hängt grundsätzlich von der Anzahl der untersuchten Personen ab. Gemäß den Richtlinien der Gendiagnostikkommission (GEKO) der Bundesregierung soll auf die Einbeziehung der Kindesmutter nur im Ausnahmefall verzichtet werden. Sollte bei einem Vaterschaftstest kein Material der Mutter verfügbar sein, ist trotzdem eine Aussage möglich. Allerdings ist hierfür ein größerer Untersuchungsaufwand notwendig.

Hinweis zum GenDG

Am 01.02.2010 ist in Deutschland das Gesetz über genetische Untersuchungen bei Menschen (Gendiagnostikgesetz - GenDG) in Kraft getreten, welches die Durchführung heimlicher Abstammungsanalysen verbietet. Nach § 17 Abs. 1 GenDG ist sowohl die Aufklärung gemäß § 9 als auch die Einwilligung gemäß § 8 GenDG bei der Durchführung von genetischen Untersuchungen zur Klärung der Abstammung erforderlich.

Demnach wird von allen Personen, deren genetische Proben untersucht werden sollen, eine schriftliche Einwilligung nach vorheriger Aufklärung benötigt. Handelt es sich bei einer dieser Personen um eine minderjährige Person, so muss der gesetzliche Vertreter der nicht einwilligungsfähigen Person über die Untersuchung aufgeklärt worden sein und in die Untersuchung und die Gewinnung der dafür geeigneten genetischen Probe schriftlich eingewilligt haben. Haben beide Elternteile das Sorgerecht, müssen auch beide sorgeberechtigten Elternteile in die Untersuchung einwilligen. Die Einwilligung in eine Abstammungsanalyse kann jederzeit schriftlich oder auch mündlich widerrufen werden.

Literatur

Richtlinie der Gendiagnostik-Kommission (GEKO) für Abstammungsanalysen vom 26.07.2012 / Deutsche Gesellschaft für Abstammungsanalysen-DGAB (2008) / Hoppe, Kurt, Sewing, Deutsches Ärzteblatt Jg. 99 Heft 10 (2002) / Rolf et al, Rechtsmedizin 7:157 (1997)

Bitte verwenden Sie unsere speziellen Formulare, welche Sie hier als PDF herunterladen können:


zusätzlich benötigte Unterlagen:

  • Kopie Lichtbildausweis (aller beteiligten Personen)
  • ggf. Kopie Geburtsurkunden (bei Minderjährigen)
  • ggf. Kopien amtlicher Schreiben bei Immigration

2 x 1 ml EDTA-Blut oder alternativ 2 Mundschleimhautabstriche von jeder zu untersuchenden Person.

10-14 Werktage nach Eingang der Proben sowie der vollständigen Unterlagen.

Aus einer Blutprobe oder einem Mundschleimhautabstrich wird genomische DNA isoliert und mind. 15 Mikrosatelliten voneinander unabhängiger Loci mittels PCR amplifiziert. Die Länge der DNA-Fragmente wird mittels Kapillarelektrophorese bestimmt und die Wahrscheinlichkeit der Vaterschaft oder des Verwandtschaftsgrades statistisch berechnet.