Peutz-Jeghers-Syndrom (PJS)

Dr. rer. nat. Anne Holtorf, M.Sc. Sarah Fischer

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das Peutz-Jeghers-Syndrom (PJS, oder hamartomatöse Polyposis intestinalis) ist eine seltene, autosomal-dominant vererbte Erkrankung, deren Prävalenz auf 1-9:1.000.000 geschätzt wird.

Zwei Symptomkomplexe sind für das Peutz-Jeghers Syndrom charakteristisch:

  1. Hamartomatöse Polypen im GI-Trakt (Prädilektion des Jejunums für Invaginationen, Obturationen und intestinale Blutungen, sekundäre Anämie), und
  2. Pigmentflecken auf Lippen, Schleimhäuten, Fingern, Zehen und Vulva, welche meist im Kleinkind- bis Jugendalter auftreten.

Patienten zeigen eine Disposition für gastrointestinale Tumoren sowie ein erhöhtes Risiko für Ovarial-, Cervix-, Pankreas-, Lungen-, Hoden und Brustkrebs. Anlageträger haben ein bis zu 90-prozentiges Kumulativrisiko, im Laufe ihres Lebens an einem intestinalen oder extraintestinalen Tumor zu erkranken.

Klinisch gilt PJS als gesichert, wenn eines der folgenden Kriterien zutrifft:

  • Patient mit zwei oder mehr histologisch gesicherten hamartomatösen Polypen;
  • Patient mit beliebiger Anzahl hamartomatöser Polypen und positiver Familienanamnese;
  • Patient mit charakteristischer mukokutaner Pigmentierung und positiver Familienanamnese;
  • Patient mit beliebiger Anzahl hamartomatöser Polypen und mukokutaner Pigmentierung.

Ursache für PJS sind pathogene Varianten im STK11(LKB1)-Gen, welches für eine Serin-Threonin-Kinase mit Tumorsuppressor-Aktivität codiert. Die Inaktivierung von STK11 führt zur Fehlregulation des mTOR-Signalübertragungsweges, der bei der Entstehung von hamartomatösen Syndromen eine zentrale Rolle spielt. Bei Patienten mit klinisch gesicherter Diagnose und positiver Familienanamnese liegt die Detektionsrate für Punktmutationen im STK11-Gen bei bis zu 70 %. Bei Patienten ohne auffällige Familienanamnese werden bei 20-60 % ursächliche Varianten in STK11 detektiert. Da 15-30 % aller Mutationen im STK11-Gen Deletionen einzelner oder mehrerer Exons sind, kann die Sensitivität der Untersuchung bei Kombination mehrerer Methoden (z.B. CNV (Copy Number Variation)-Diagnostik) auf über 90% gesteigert werden.

Hinweis zur prädiktiven Diagnostik:

Bei der prädiktiven Diagnostik werden gesunde Risikopersonen untersucht, in der Regel erstgradige Verwandte von Betroffenen. Laut Gendiagnostikgesetz (GenDG) soll bei jeder diagnostischen genetischen Untersuchung eine genetische Beratung angeboten werden. Bei prädiktiver genetischer Diagnostik muss laut GenDG vor der Untersuchung und nach Vorliegen des Resultats genetisch beraten werden (§10, Abs. 2 GenDG).

Literatur

Daniell et al.2018, Fam Cancer 17:421 / McGarrity et al. 2016, Peutz-Jeghers syndrome, GeneReviews®, www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK1266/ / Yang et al. 2010, Dig Dis Sci 55:3458 / Aretz 2010, Dtsch Arztbl Int 107:163 / Beggs et al. 2010, Gut 59:975 / Resta et al. 2010, Hum Genet 128:373

V.a. und DD Peutz-Jeghers Syndrom, hamartomatöse intestinale Polypen, mukokutane Pigmentierung (s. klinische Kriterien)

Ü-Schein Muster 10 mit folgenden Angaben

  • Diagnose: Peutz-Jeghers Syndrom (PJS)
    (ICD-10 Code: [Q85.8])
  • Auftrag: Molekulargenetische Analyse STK11
     

SchriftlicheEinwilligungserklärung gemäß GenDG erforderlich

2 ml EDTA-Blut

ca. 10-15 Werktage / 2-3 Wochen