Fanconi Anämie

M.Sc. Sarah Fischer, Dr. rer. nat. Anne Holtorf, Dr. med. Imma Rost

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Fanconi-Anämie umfasst eine klinisch und genetisch heterogene Gruppe von Erkrankungen,  denen eine prä- und postnatale Wachstumsstörung, Fehlbildungen von Herz, Nieren und Skelett, hier v.a. Radius- und Daumenfehlbildungen, Pigmentierungsanomalien, charakteristische Gesichtszüge, Mikrozephalie in variabler Ausprägung gemeinsam sind. Charakteristisch ist ein frühes Knochenmarkversagen mit erhöhtem Risiko für Leukämien, aber auch für solide Tumoren. Ursache ist letztlich ein DNA-Reparaturdefekt, der eine erhöhte Empfindlichkeit v.a. gegen DNA-vernetzende Agentien bewirkt und zu einer genomischen Instabilität führt. Dementsprechend findet sich eine erhöhte Chromosomenbrüchigkeit unter Mitomycin C bzw. Diepoxybutan. Mittlerweile sind bereits über 20 Subtypen mit ursächlichen Genen beschrieben, wobei über die Hälfte der Erkrankungen auf pathogene Varianten in FANCA zurückzuführen sind. Die Vererbung erfolgt meist autosomal rezessiv, selten autosomal-dominant (FANCR – RAD51) bzw. X-chromosomal-rezessiv (FANCB - FANCB). Es gibt keine Genotyp-Phänotyp-Korrelationen.

Zur Überwachung werden regelmäßige (jährliche) Vorsorgeuntersuchungen (Knochenmark, interdisziplinäre Untersuchungen zum Ausschluss solider Tumoren) empfohlen. Therapeutisch werden orale Androgene zur Erhöhung der roten Zellen bzw. der Thrombozyten eingesetzt bzw. G-CSF zur Erhöhung der Neutrophilen-Zahl. Eine Stammzelltransplantation kann zwar die Knochenmarkdepression korrigieren, nicht aber das erhöhte Risiko für solide Tumoren.

Literatur

Fiesco-Roa et al. 2019, Blood Rev 37:100589 / Nalepa et Clapp 2018, Nat Rev Cancer 18:168 / Nepal et al. 2017, Trends Cancer 3:840 / Ebens et al. 2017, Expert Rev Hematol 10:81 / Mamrak et al. 2017, Blood Rev 31:93 / Cheung et Taniguchi 2017, Int J Hematol 106:335 / Esteban-Jurado et al. 2016, Eur J Hum Genet 24:1501 / Alter 2014, Best Pract Res Clin Haematol 27:214

V. a. und DD Fanconi-Anämie

Ü-Schein Muster 10 mit folgenden Angaben

  • Diagnose: Fanconi-Anämie (ICD-10 Code: [D61.0])
  • Auftrag: Molekulargenetische Analyse mittels NGS
     

Hinweis: Schriftliche Einwilligungserklärung gemäß GenDG erforderlich

1 ml EDTA Blut