AIP-assoziiertes hereditäres isoliertes Hypophysenadenom

OMIM: Hypophysenadenom Typ 1 102200, AIP (605555)

M.Sc. Sarah Fischer, Dr. rer. nat. Anne Holtorf

Wissenschaftlicher Hintergrund

Hypophysenadenome machen etwa 10-15% aller intrakranieller Neubildungen aus. Sie werden in Abhängigkeit von ihrer Größe (Mikroadenome <1 cm, Makroadenome >1 cm) und ihrer Hormonausschüttung eingeteilt. Annähernd alle Hypophysentumoren sind gutartig, eine Progression zum Karzinom wird nur äußerst selten beobachtet. Eine familiäre Häufung (>1 Familienmitglied) und/oder ein junges Manifestationsalter (<30 J.) sind hinweisend auf eine genetische Prädisposition für Hypophysenadenome.

Ursächlich für das familiäre isolierte Hypophysenadenom (FIPA) sind pathogene Varianten im AIP-Gen. Das Gen ist auf Chromosom 11q13 lokalisiert und kodiert das 330 Aminosäuren lange Aryl-hydrocarbon-receptor-interacting Protein (AIP). FIPA ist äußerst selten und wird autosomal-dominant vererbt. Die Penetranz ist unvollständig und wird mit etwa 15-30% angegeben. In den meisten Fällen werden Somatotropinome, Somatomammotropinome (Wachstumshormon- und Prolactin-sezernierende Adenome) oder Prolaktinome diagnostiziert. Seltener werden auch TSH- oder ACTH-sezernierende, oder auch Hormon-inaktive Adenome beobachtet. Hypophysenadenome kommen auch gehäuft beim MEN1-/MEN4-Syndrom vor.

Aufgrund der Seltenheit von AIP-assoziierten FIPA existieren aktuell keine Vorsorgeempfehlungen für Anlageträger. Messungen des Hormonspiegels ab dem 5. Lebensjahr und MRT-Untersuchungen ab dem Alter von 10 Jahren werden für Anlageträger und Risikopersonen vorgeschlagen. Risikopersonen können sich nach einer genetischen Beratung auf Wunsch gezielt testen lassen, wenn die ursächliche Variante in der Familie bekannt ist. Bei der prädiktiven Diagnostik werden gesunde Risikopersonen untersucht, in der Regel erstgradige Verwandte von Betroffenen. Laut Gendiagnostikgesetz (GenDG) soll bei jeder diagnostischen genetischen Untersuchung eine genetische Beratung angeboten werden. Bei prädiktiver genetischer Diagnostik muss laut GenDG vor der Untersuchung und nach Vorliegen des Resultats genetisch beraten werden (§10, Abs. 2 GenDG).

Literatur

Daly et al. 2019, Endocr Connect (epub ahead of print) / Pepe et al. 2019, J Endocrinol 240:R21 / Cazabat et al. 2012, J Clin Endocrinol Metab 97:E663 / Korbonits et al. 2012. GeneReviews® www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK97965/

V.a. hereditäres isoliertes Hypophysenadenom:

  • positive FA (> 1 Familienmitglied mit Hypophysenadenom);
  • Hypophysenadenom vor dem 18. LJ;
  • (Wachstumshormon-sezernierendes) Makroadenom der Hypophyse vor dem 30. LJ; oder
  • Prolaktin-sezernierendes Makroadenom der Hypophyse.

Ü-Schein Muster 10 mit folgenden Angaben:

  • Diagnose: V.a. hereditäres Hypophysenadenom (ICD-10 Code: [Z80.-], [D35.-])
  • Auftrag: Molekulargenetische Analyse AIP-Gen
     

Schriftliche Einwilligungserklärung gemäß GenDG

2 ml EDTA-Blut

ca.  2-3 Wochen / 10-15 Werktage