Hämophilie A

Dipl.-Biol. Birgit Busse

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Hämophilie A ist eine X-chromosomal-rezessiv vererbte Gerinnungsstörung, die durch den Mangel des Gerinnungsfaktors VIII bedingt ist. Dieser führt zu einer Störung im intrinsischen Weg der Gerinnungskaskade und zu den Symptomen einer hämorrhagischen Diathese mit verlängerter aPTT-Zeit.

Phänotypisch ist die Hämophilie A nicht von der Hämophilie B (Faktor IX-Mangel) unterscheidbar. Die Abgrenzung beider Krankheitsbilder erfolgt durch die biochemische Messung der jeweiligen Enzymaktivität. Die Messung der FXIII-Aktivität sollte im Vorfeld einer genetischen Diagnostik erfolgt sein. Da auch ein vWF-Mangel zu einer erniedrigten FVIII-Aktivität führen kann, sollte der von-Willebrand-Faktor zur differentialdiagnostischen Abklärung ebenfalls biochemisch bestimmt sein.

Im F8-Gen sind über 2.500 pathogene Varianten bekannt, die zu einer Hämophilie A führen. In Abhängigkeit von derArt der Variante kommt es zu einer unterschiedlich starken Beeinträchtigung der Enzymaktivität, so dass die Erkrankung in unterschiedliche Schweregrade eingeteilt wird:

  • Schwere Hämophilie A: Faktor VIII-Aktivität < 1%
  • Mittelschwere Hämophilie A: Faktor VIII-Aktivität 1-5%
  • Milde Hämophilie A: Faktor VIII-Aktivität 6-40%

Aufgrund der X-chromosomalen Vererbung sind vorwiegend Männer betroffen. Die Prävalenz wird auf ca. 1:6.000 geschätzt. In seltenen Fällen können auch heterozygote Anlageträgerinnen bei Vorliegen einer ungleichen X-Inaktivierung Symptome ausprägen. Ca. 30% der Hämophilie A-Fälle sind durch Neumutationen bedingt. Leichtere Formen sowie ca. 50% der schweren Formen der Erkankung werden durch Punktmutationen im F8-Gen verursacht. Ca. die Hälfte der schweren Hämophilie A-Fälle sind durch Gen-Inversionen in Intron 1 oder Intron 22 bedingt. Die Therapie erfolgt durch intravenöse Substitution mit rekombiniertem Faktor VIII.

Literatur

Konkle et al., Gene Reviews, NBK1495 [Updated 2017 Jun 22] /  Jenkins et al. 2012, Eur J Hum Genet 20:5 / Oldenburg et al. 2008, Hämostaseologie 28: 335 / Keeney et al. 2005, Haemophilia 11:87 / http://www.dhg.de/

V.a. Hämophilie A, Faktor VIII-Defizienz

Ü-Schein Muster 10 mit folgenden Angaben

  • Diagnose: Hämophilie A (ICD-10-Code: [D66.0])
  • Auftrag:
    Stufe I: Nachweis der Geninversion Int22 und Int1
    und/oder
    Stufe II: Mutationssuche im F8-Gen

Hinweis:
Schriftliche Einwilligungserklärung gemäß GenDG erforderlich

Bitte vermerken Sie auf der Anforderung die Faktor VIII- und (falls vorhanden) die vWF-Aktivität

1 ml EDTA-Blut

Stufe I: 2 Wochen
Stufe II: weitere 2 Wochen