MECP2-Duplikationssyndrom

Dr. rer. biol. hum. Soheyla Chahrokh-Zadeh, Dr. med. Dagmar Wahl, M. Sc. Anna Munzig

Wissenschaftlicher Hintergrund

Beim MECP2-Duplikationssyndrom handelt es sich um eine X-chromosomal-rezessiv vererbte Erkrankung, die auf einer Duplikation in der chromosomalen Region Xq28 beruht. Die betroffenen männlichen Patienten sind hauptsächlich charakterisiert durch eine deutliche mentaleRetardierung und Hypotonie der Rumpf- und Gesichtsmuskulatur. Des Weiteren definieren epileptische Anfälle, progressive Spastik, eine erhöhteInfektanfälligkeit sowie leichte faziale Auffälligkeiten wie große Ohrmuscheln und eine flache Nasenwurzel den klinischen Phänotyp. Es besteht eine schwere Entwicklungsstörung mit weitgehend fehlender Sprachentwicklung. Freies Gehen wird oft nicht erreicht. Obligate Überträgerinnen zeigen in der Regel keine klinische Symptomatik und weisen eine verschobeneX-Inaktivierung auf.

Die für das MECP2-Duplikationssyndrom ursächliche duplizierte Region Xq28 umfasst mehrere Gene, wobei die Duplikation des MECP2-Gens als ursächlich für die neurologische Symptomatik gilt. Inwieweit die zusätzlich duplizierten Gene einen Einfluss auf den Phänotyp haben, ist bisher nicht eindeutig geklärt. In einer Studie von Peters et al. 2019 hat sich allerdings gezeigt, dass die Größe der vorliegenden Duplikation mit der Schwere des Phänotyps korreliert. In einer Studie konnte in einem Kollektiv von 134 männlichen Patienten mit mentaler Retardierung und schweren, meist progressiven neurologischen Symptomen in 2% eine Duplikation in der chromosomalen Region Xq28 nachgewiesen werden. Daher sollte bei männlichen Patienten mit neurodegenerativer Erkrankung und mentaler Retardierung unklarer Ursache die Untersuchung auf eine Duplikation des MECP2-Gens erwogen werden.

Literatur

Peters et al. 2019, Clin Genet 95:575 / Lim et al 2017, Clin Genet 91:557 / El Chehadeh et al. 2017, Clin Genet 91:576 / Reardon et al. 2010, Eur J Pediatr 169:941 / Lugtenberg et al. 2009, Eur J Hum Genet 17:444 / Clayton-Smith et al. 2009, Eur J Hum Genet 17:434 / Kirk et al. 2009, Clin Genet 75:301 / Friez et al. 2006, Pediatrics 118:e1687 / Van Esch et al. 2005, Am J Hum Genet 77:442

  • Männliche Patienten mit V.a. MECP2-Duplikationssyndrom
  • Jungen mit schwerer mentaler Retardierung, fehlender Sprachentwicklung, Hypotonie der Rumpf- und Gesichtsmuskulatur und Spastik der unteren Extremität
  • Mütter von betroffenen Kindern mit nachgewiesener Duplikation

Ü-Schein Muster 10 mit folgenden Angaben

  • Diagnose: MECP2-Duplikationssyndrom
    (ICD-10 Code: [F84.9])
  • Auftrag: MLPA-Analyse MECP2-Gen (Xq28 Region)

Hinweis:
Schriftliche Einwilligungserklärung gemäß GenDG erforderlich

1 ml EDTA Blut