Dr. rer. nat. K. Mayer, Dipl.-Biol. W. Rupprecht, Dr. rer. nat. M. Hirt, J. Hörmann
Am Beginn einer molekulargenetischen Untersuchung steht immer die Extraktion von hochmolekularer, genomischer DNA, die in der Regel aus einer Blutprobe mittels Säulenchromatographie gewonnen wird. Insbesondere für die Amplifikation von Genen mit einem hohen Anteil an repetitiven Sequenzen oder sehr großer Gene, die sich über etliche Kilobasen erstrecken, spielt die Qualität der DNA eine entscheidende Rolle, um überhaupt ein spezifisches Amplifikationsprodukt in ausreichender Menge zu erhalten. Die Amplifikation der DNA Zielsequenz erfolgt mittels der Polymerasekettenreaktion (PCR), einem enzymatischen Verfahren, wodurch hochspezifisch eine milliardenfache Anreicherung des zu untersuchenden DNA Abschnittes möglich ist.
Für die PCR wird ein sequenzspezifisches, komplementäres Oligonukleotidpaar (Sense und Antisense Primer), thermostabile DNA-Polymerase und ein Mix der 4 Nukleotide Guanin (G), Adenin (A), Thymin (T) und Cytosin (C) benötigt. Die Primer haben eine Länge von 16–24 Basenpaaren und werden so ausgewählt, dass die Zielsequenz zwischen ihnen liegt. Die Auswahl der Primer ist ebenfalls ein kritischer Schritt, da neben der Amplifikation von unspezifischen Produkten vor allem die Amplifikation von Pseudogenen vermieden werden muss. Pseudogene sind inaktivierte Gene, deren Sequenz den zu untersuchenden Genen sehr ähnlich ist, wodurch falsche Ergebnisse entstehen können. Die PCR wird in einem speziellen Gerät durchgeführt (Thermocycler), welches in der Lage ist, die Temperatur des Reaktionsblocks sehr rasch zu ändern. Verschiedene Temperaturen sind notwendig, um die DNA zunächst zu denaturieren (Bildung von Einzelsträngen bei 95°C), dann die Anlagerung der Primer zu ermöglichen (sog. Annealing bei 50-65°C) und schließlich die Elongation der Primer entlang der DNA-Matrize zu einem neuen Tochterstrang zu gewährleisten (Temperatur-Optimum der DNA-Polymerase bei 72°C). Dieser Vorgang (Denaturierung, Annealing, Strangelongation) wird auch PCR Zyklus genannt und 30–40 mal wiederholt. Bei jedem Zyklus verdoppelt sich idealerweise der zwischen den Primern liegende DNA- Abschnitt, die Gesamtreaktion dauert etwa 1–2 Stunden. Vorteile dieser einfachen und universell einsetzbaren Methode sind ihre Robustheit, Spezifität und Sensitivität. Auch geringste Spuren von DNA können mit dieser Methode nachgewiesen und diagnostischen Zwecken zugänglich gemacht werden. Dieser Vorteil bedingt allerdings auch den größten Nachteil: die Kontaminationsgefahr. Aus diesem Grund ist stets darauf zu achten, dass eine DNA-Probe möglichst nicht mit DNA-haltigem Material anderer Individuen in Berührung kommt. Zusätzlich werden in jedem Assay entsprechende Kontaminationskontrollen mitgeführt.
 - Aus einem Ausgangsmolekül (Template) werden ca. 1 Milliarde Amplifikationsprodukte. Die Menge der generierten PCRProdukte steigt mit der Anzahl der durchgeführten PCR-Zyklen an und ist ist abhängig von der Ausgangskonzentration der Templates (blaue Box).
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, amplifizierte DNA weiter zu untersuchen. Das technisch einfachste Verfahren ist der Nachweis eines veränderten Schnittmusters der DNA nach Verdau mit einem Restriktionsenzym (Restriktionsfragmentlängenpolymorphismus oder RFLP). Restriktionsenzyme sind in der Lage, hochspezifisch die Abfolge bestimmter Basensequenzen zu erkennen und den DNA-Doppelstrang an dieser Stelle zu durchtrennen. Durch Basenaustausche kann es folglich zum Hinzugewinn oder Verlust einer Restriktionsschnittstelle kommen, wodurch sich nach Restriktionsverdau die Länge der DNA-Fragmente vom Wildtyp (Normalsequenz) unterscheidet. Diese Fragmente lassen sich nach Größenauftrennung im Agarosegel durch Anfärbung mit einem Fluoreszenzfarbstoff darstellen. Das RFLP-Verfahren wird zur Detektion bekannter Basenaustausche sowie zur Bestätigung von neu identifizierten Mutationen eingesetzt.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, amplifizierte DNA weiter zu untersuchen. Das technisch einfachste Verfahren ist der Nachweis eines veränderten Schnittmusters der DNA nach Verdau mit einem Restriktionsenzym (Restriktionsfragmentlängenpolymorphismus oder RFLP). Restriktionsenzyme sind in der Lage, hochspezifisch die Abfolge bestimmter Basensequenzen zu erkennen und den DNADoppelstrang an dieser Stelle zu durchtrennen. Durch Basenaustausche kann es folglich zum Hinzugewinn oder Verlust einer Restriktionsschnittstelle kommen, wodurch sich nach Restriktionsverdau die Länge der DNA-Fragmente vom Wildtyp (Normalsequenz) unterscheidet. Diese Fragmente lassen sich nach Größenauftrennung im Agarosegel durch Anfärbung mit einem Fluoreszenzfarbstoff darstellen. Das RFLP-Verfahren wird zur Detektion bekannter Basenaustausche sowie zur Bestätigung von neu identifizierten Mutationen eingesetzt.
 - RFLP von HFEAmplifikaten im Rahmen der Hämochromatosediagnostik: die DNABanden werden nach Restriktionsverdau entsprechend ihrer Größe mittels Agarosegelelektrophorese aufgetrennt und mit Ethidiumbromid angefärbt. Spur 1: Größenmarker; Spur 2: homozygot mutant; Spur 3: Wildtyp; Spur 4: Wildtyp usw., Spur 10 und 13: heterozygot mutant.
Ein weiteres Verfahren zum Nachweis bekannter Basenaustausche oder Mutationen, welches in der Routinediagnostik zum Einsatz kommt, ist die allelspezifische Hybridisierung von fluoreszenzmarkierten DNA-Sonden (allelspezifische Oligonukleotidhybridisierung oder ASO). Bei dieser Technik wird der PCR eine Wildtyp- und eine mutationsspezifische Sonde zugesetzt, deren Fluoreszenz erst sichtbar wird, nachdem die zuvor spezifisch gebundene Sonde durch die DNA-Polymerase im Zuge der Strangelongation abgebaut wurde (sog. ExonukleaseAssay). Je nachdem, ob der Wildtyp oder die Variante/Mutation vorliegt, erhält man unterschiedliche Farbsignale, welche nach Anregung durch Laserlicht in einer Photozelle detektiert werden. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt in der Teilautomatisierbarkeit, wodurch größere Probenzahlen schneller bearbeitet werden können.
 - Auswertung von Fluoreszenzsignalen (Exonuklease-Assay) durch Softwaregestütztes “Allele Calling”
Eine weitere Methode zur Analyse bekannter Polymorphismen oder Mutationen ist der Nachweis über sequenzspezifische Sonden mittels LightCycler. Dabei wird zu einem DNA-Template ein spezieller Reaktionsmix gegeben, der u.a. Primer und spezifische Sonden enthält. Für die Detektion einer Variante wird jeweils ein Sondenpaar benötigt, das aus einer Ankerund einer Sensorsonde besteht. Beide Sonden binden in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander an die zu analysierende Sequenz. Nach Exzitation des Fluoresceinmoleküls an der Ankersonde kommt es zum Energietransfer auf das LC-Red-Molekül an der Sensorsonde (Fluoreszenz-Resonanz-Transfer, FRET-Assay). Das von der Sensorsonde emittierte Licht wird gemessen und steht dafür, dass die Sonden korrekt an die Zielsequenz gebunden sind. Die Ermittlung des Genotyps erfolgt über eine Schmelzkurvenanalyse: Solange beide Sonden an die Komplementärsequenz gebunden sind, wird Fluoreszenz emittiert. Bei Temperaturerhöhung schmelzen die Sonden ab, der Energietransfer wird unterbrochen und die Fluoreszenzemission nimmt ab. Dieser Verlust des Lichtsignals bei einer spezifischen, empirisch ermittelten Temperatur wird zur Ermittlung des Genotyps herangezogen. Da bei Fehlpaarung einer Base die Sonde früher abschmilzt als bei vollständig homologer Basenpaarung, weichen die Schmelztemperaturen zwischen den verschiedenen Genotypen voneinander ab.
 - Prinzip des FRET-(Fluoreszenz-Resonanz-Transfer) Assay (A) und Auswertediagramm (B). Die sequenzspezifische Detektion erfolgt durch LightCycler Hybridization Probes. Deren Sequenz ist so gewählt, dass sie in geringem Abstand nebeneinander an das PCR-Fragment binden. Dabei kommt das am 3’Ende der ersten Sonde angeheftete Fluorescein in räumliche Nähe zu dem am 5’Ende der zweiten Sonde befindlichen zweiten Fluoreszenzfarbstoff, z.B. LC-Red640. Nach Anregung des Fluoresceins bei 470 nm wird die Energie durch einen FRET-Prozess auf den benachbarten Farbstoff übertragen, der dann bei seiner charakteristischen Wellenlänge Fluoreszenzsignale emittiert. Die heterozygote Probe zeigt ein doppelgipfliges Signal.
Für die Quantifizierung von Genabschnitten oder Transkripten finden die beiden Real-Time-PCR-Plattformen AB7900HT (Applied Biosystems) und LightCycler (Roche) Anwendung. In diesen Geräten findet die Detektion von PCR-Produkten über Fluoreszenzsignale statt, entweder sequenzunspezifisch (z.B. über SYBR Green) oder sequenzspezifisch mittels Fluoreszenzmarkierter Sonden. Die Anregung erfolgt über einen ArgonIonenLaser (AB7900HT) bzw. über eine LED-Lampe (LightCycler). Bei der sequenzspezifischen Detektion werden Sonden eingesetzt, die zu einem Abschnitt der zu analysierenden DNA bzw. cDNA komplementär sind. Die Zunahme des Fluoreszenzsignals im Verlauf der Reaktion ist proportional zur Menge des entstehenden PCR-Produkts und kann im Verlauf der Reaktion online verfolgt werden.
 - Prinzip des 5'-3' Nuklease-Assays ( B7900HT) Die TaqMan Sonde, die an die Zielsequenz zwischen den beiden PCR-Primern hybridisiert, enthält einen Reporter Farbstoff am 5’-Ende und einen Quencher Farbstoff am 3’-Ende. Die räumliche Nähe von Reporter und Quencher supprimiert die Fluoreszenz. Während der PCR-Reaktion wird durch die 5’-3’ Exonuklease Aktivität der DNA-Polymerase die Sonde vom 5’ Ende her von der Zielsequenz verdrängt und der Reporter vom Quencher getrennt. Erst jetzt kann die Fluoreszenz des Reportermoleküls detektiert werden. Die Zunahme der Intensität der Fluoreszenz ist proportional zu der Entstehung von PCR-Produkten.
Eine ganze Gruppe genetischer Erkrankungen wird durch eine veränderte DNA-Methylierung von Cytosinresten verursacht (sog. Imprinting-Defekte). Zu dieser Gruppe gehören u. a. das Prader-Willi-Syndrom (PWS) und das Angelman-Syndrom (AS), die beide im Bereich 15q11.2 kartieren. Das PWS beruht auf einer Deletion bzw. einem Methylierungsdefekt des paternalen Allels, wohingegen beim AS das maternale Allel betroffen ist. Die lange Zeit übliche Methode zum Krankheitsnachweis bestand in dem Einsatz Locus-spezifischer FISH-Sonden; diese Methode detektiert jedoch nur ca. 70% der PWS- bzw. AS-Fälle. Mitte der 1990er Jahre wurde die Methylierungsspezifische PCR (MS-PCR) entwickelt, die eine Detektionsrate von 99% (WS) bzw. 80% (AS) aufweist. Das Verfahren beruht auf der Umwandlung unmethylierter Cytosinreste zu Uracil mittels Natriumbisulfit und dem Einsatz von Primerpaaren, die entweder die nicht-modifizierte maternale oder die modifizierte paternale DNA erkennen.
 - Prinzip der Methylierungsspezifischen PCR zur Diagnostik des Prader-Willi(PWS) und Angelman-(AS) Syndroms (mod. nach: E. Engel und S. Antonorakis: Genomic Imprinting and Uniparental Disomy in Medicine, Wiley-Liss 2002). Das Primerpaar OL1 und OL2 erkennt die modifizierte paternale (Pat) DNA, das Primerpaar OL3 und OL4 erkennt die nicht-modifizierte maternale (Mat) DNA. Im Falle eines PWS fehlt entsprechend das paternale, im Falle eines AS das maternale PCR-Produkt.
Ein in Schweden entwickeltes Verfahren zum Nachweis bekannter Mutationen oder SNPs ist das Pyrosequencing. Ähnlich der klassischen DNA-Sequenzanalyse mit dem Sanger-Verfahren (s.u.) kann mittels Pyrosequencing die DNA-Sequenz direkt analysiert werden. Allerdings beruht die Reaktion nicht auf der Detektion von Fluoreszenzsignalen von eingebauten Stop-Nukleotiden, sondern auf einer messbaren Lichtemission, wenn das jeweils passende Nukleotid bei der Strangelongation in die DNA eingebaut wird. Nach Amplifikation des zu untersuchenden Genabschnitts mittels PCR werden in der Sequenzierungsreaktion die Nukleotide daher einzeln und nacheinander in immer wiederkehrender Abfolge der Reaktion zugegeben. Das jeweils passende Nukleotid, welches bei der Strangelongation in die DNA eingebaut wird, führt zur Freisetzung von Pyrophosphat (PPi), wodurch unter Beteiligung von Luciferase ein Lichtsignal freigesetzt wird. Das Lichtsignal wird von einer CCD-Kamera detektiert und als Peak in der Auswerte-Software sichtbar. Dabei ist die Peak-Höhe proportional zur Anzahl der eingebauten Nukleotide. Nach Ablauf jeder Einzelreaktion werden nicht eingebaute Nukleotide degradiert, wodurch das Lichtsignal erlischt und der Reaktionsablauf mit der Zugabe des nächsten Nukleotids von neuem beginnt. Mit Ablauf dieses Prozesses kann die Sequenz anhand der Signal-Peaks im Pyrogramm bestimmt werden. Das Verfahren eignet sich besonders zur Analyse kurzer bis mittellanger DNA-Sequenzen, die im Hochdurchsatzbetrieb bestimmt werden sollen. Besonders im Bereich der Polymorphismusanalyse kann so ein hohes Probenaufkommen in relativ kurzer Zeit bewältigt werden.
 - Bei Einbau des zugegebenen Nukleotids läuft eine enzymatische Reaktion ab, die zu Lichtfreisetzung führt. Das Lichtsignal wird als Peak im Pyrogramm dargestellt. Jeder Peak des Pyrogramms steht für den Einbau des zugegebenen Nukleotids. Die Peakhöhe korreliert mit der Anzahl eingebauter Nukleotide.
Die Suche und der Nachweis unbekannter Mutationen erfordert aufwändigere Verfahren. Der Goldstandard ist die direkte DNA-Sequenzanalyse der einzelnen kodierenden Abschnitte (Exons) eines definierten Gens sowie deren angrenzende Regionen nach Amplifikation durch PCR. In der Sequenzierungsreaktion werden neben der DNA-Polymerase und dem Nukleotid-Mix zusätzlich fluoreszenzmarkierte Stopnukleotide (Dideoxy-Nukleotide) eingesetzt, beideren Einbau es zu einem Abbruch der Reaktion an dieser Stelle kommt. Hierdurch entstehen fluoreszenzmarkierte Sequenzfragmente unterschiedlicher Länge, die sich auf einem Polyacrylamidgel der Größe nach auftrennen und mittels Laserlichtanregung darstellen lassen. Für die Entwicklung dieses Verfahrens wurde Fred Sanger mit seinem 2. Nobelpreis ausgezeichnet.
 - Editierte Rohdaten einer DNA-Sequenzanalyse. Jeder der vier farbigen Peaks steht für ein Nukleotid der DNA: A (Adenin), C (Cytosin), G (Guanin), T (Thymin). Durch einen heterozygoten Nukleotidaustausch von Cytosin nach Adenin in der DNA wird auf Aminosäureebene Leucin (L) duch Methionin (M) ersetzt.
Durch die richtige Mischung von Nukleotid-Mix und Stopnukleotiden wird erreicht, dass die Reaktion „zufällig“ zum Stehen kommt und letztlich alle theoretisch möglichen Sequenzfragmente dargestellt werden. Da die Stopnukleotide mit 4 unterschiedlichen Fluoreszenzfarbstoffen markiert sind, kann man bei der Auswertung die einzelnen Basen unterscheiden und die Abfolge anhand der Größe der Fragmente bestimmen. Das Auslesen der Rohdaten erfolgt mit Hilfe einer speziellen Software, die Feinauswertung (Editierung) durch einen erfahrenen Mitarbeiter am Computermonitor. Die DNA-Sequenzanalyse wird in der Routine zur Mutationssuche und zum Nachweis bekannter Mutationen bei monogenen Erkrankungen eingesetzt. Inzwischen kommen auch in der Routinediagnostik mehrkanalige Kapillarelektrophoresegeräte zum Einsatz, die bis vor kurzem nur in der Genomforschung Verwendung fanden. Diese Geräte liefern wesentlich bessere Daten als die Geräte, welche klassische Polyacrylamid-Gele verwenden. Eine Verwechslung von Proben beim “Lane Tracking” ist heute praktisch ausgeschlossen.
Zu den wichtigsten Vorteilen der direkten DNA-Sequzenzanalyse gegenüber Screening-Verfahren gehören die Vergleichbarkeit der Daten, die auf einer weitgehend standardisierten Methode beruhen, die Robustheit und Reproduzierbarkeit der Methode, die Sicherstellung der Qualität durch internationale Ringversuche und die vergleichsweise einfache Durchführbarkeit ohne aufwändige Optimierungsschritte.
Die Methode zur Detektion von Dosisunterschieden von bis zu 45 verschiedenen Nukleinsäurefragmenten in einem Ansatz wurde 2002 erstmals beschrieben (Schouten et al., Nucl Acids Res 30:12e57). Hier wurde die Kopienzahl von 40 Loci im menschlichen Genom durch simultane relative Quantifizierung bestimmt. Die Menge der sequenzspezifisch hybridisierten und ligierten Oligonukleotide ist dabei proportional zur Kopienzahl der Ziel-Sequenz. Die Amplifikationsprodukte werden anschließend durch Kapillarelektrophorese der Größe nach aufgetrennt. Dosisunterschiede sind durch Reduktion oder Vergrößerung der Peakhöhen und Peakflächen erkennbar. Mittlerweile sind mehr als 100 MLPA-Kits zur Detektion von Deletionen/Duplikationen einzelner Exons von Genen, Genbereichen, ganzer Gene, Chromosomenbereiche und ganzer Chromosomen kommerziell verfügbar (MRC-Holland b.v.).
 - Prinzip der MLPA-Analyse: Jede der bis zu 40 MLPA-Proben in einem Ansatz besteht aus einer “Target”spezifischen Sequenz, einer “Stuffer”-Sequenz definierter Länge, und einer M13-Universal-Primersequenz. Die Multiplex-Amplifikation mit einem Fluoreszenz-markierten M13-Primerpaar kann nur nach Ligation der hybridisierten Proben erfolgen. Durch das Design der unterschiedlich langen “Stuffer”-Fragmente ist eine Auftrennung von Fragmenten einer Länge zwischen 130 und 480 bp möglich.
 - Auftrennung der Amplifikationsprodukte durch Kapillarelektrophorese. Im unteren Teil sind die spezifischen Signale für die Exons 1 - 21 des TSC2-Gens (gekennzeichnet durch rote Sterne) im Vergleich zur Kontroll-DNA (oberer Teil) um die Hälfte reduziert, was einer heterozygoten Deletion entspricht.
 - Relative Quantifizierung der genspezifischen Amplifikationsprodukte. Anhand der im gleichen Ansatz mitgeführten, für andere chromosomale Regionen spezifischen Kontrollproben (rote Balken rechts) ist eine Dosisreduktion der Exons 1 - 21 auf die Hälfte erkennbar. Dies entspricht einer heterozygoten Deletion in diesem Bereich. Die Quantifizierung kann durch Export der Signalhöhen und -flächen in der Excel-Software oder über eine spezielle MLPA-AuswerteSoftware erfolgen.
Komplexe Fragestellungen wie die Bestimmung der Anzahl von Gen-Kopien, der Länge von Trinukleotid-Expansionen oder die Untersuchung des DNA-Methylierungsstatus können mit Hilfe der Southern Blot-Analyse geklärt werden. Im Gegensatz zur DNA-Sequenzierung ist bei der Southern Blot-Analyse kein Amplifikationsschritt nötig. Der Nachweis erfolgt direkt an genomischer DNA, die zuvor einem Restriktionsverdau unterzogen wurde. Die Wahl der Restriktionsenzyme orientiert sich an der Fragestellung, welche DNA-Sequenzen untersucht werden sollen. Dem Restriktionsverdau schließt sich die Auftrennung der verdauten Fragmente auf einem Agarosegel an, die im zweiten Schritt mittels dem eigentlichen Southern Blot Verfahren auf eine Nylonmembran übertragen werden. Beim Kapillar-Blot nützt man einen Flüssigkeitsstrom (Kapillareffekt), der ausgehend von einem Reservoire an Pufferlösung über das Gel und die Membran bis hin zu einem Stapel von Papiertüchern läuft. Die DNA wird dabei mitgezogen und bleibt auf der Oberfläche der Nylonmembran hängen. Vor der Hybridisierung mit der markierten Sonde wird die DNA mittels Hitze oder UV-Behandlung auf der Membran fixiert. Neben den klassischen radioaktiven Verfahren werden Sonden zunehmend nichtradioaktiv markiert, wobei die Detektion indirekt über einen fluoreszenzmarkierten Antikörper erfolgt. Nach der Hybridisierung und mehreren Inkubations und Waschschritten erfolgt die Detektion durch Auflegen eines Röntgenfilmes auf die Nylonmembran. Nach der Entwicklung kann das Bandenmuster anhand des geschwärzten Filmes ausgewertet werden.
 - Prinzip der Southern-Blot-Hybridisierung, die nach wie vor zum Nachweis von größeren genetischen Rearrangements, Deletionen oder Insertionen eingesetzt wird (z.B. Triple-Repeat-Erkrankungen).
Der Oligonukleotid-LigationAssay wird in der Routine vorwiegend für die Analyse eines Mutationspanels in der Mukoviszidose-Diagnostik eingesetzt. In einer Multiplex-PCR werden 16 Zielregionen des CFTR-Gens amplifiziert. Die PCR-Produkte aus der Multiplex-PCR dienen als Ausgangsmoleküle für eine Ligationsreaktion, die durch Zugabe eines OLA-Reagenz gestartet wird. Das OLA-Reagenz enthält Oligonukleotide, welche teilweise fluoreszenzmarkiert sind sowie eine DNA-Ligase. Bei der Reaktion werden 3 Sondentypen eingesetzt: a) eine gemeinsame (“common”) Sonde, die am 3`-Ende mit einem Fluoreszenzfarbstoff (blau, grün oder gelb) markiert ist, b) 29 wildtypspezifische Sonden und c) 33 mutationsspezifische Sonden. Die gemeinsame Sonde bindet an die Zielsequenz unabhängig davon, ob eine Wildtyp oder mutante Sequenz vorliegt. Die Wildtyp- und Mutationssonden unterscheiden sich nur durch ein Nukleotid am 3`-Ende. Am 5`-Ende von Wildtyp- und Mutationssonde hängt jeweils ein sog. PEO-Molekül, dessen Länge spezifisch für jede nachzuweisende Zielsequenz ist. Die Wildtyp- und Mutationssonden konkurrieren um die Bindungsstelle an die Zielsequenz, wobei nur die Sonde bindet, die exakt mit der Zielsequenz komplementär ist. Liegt keine der 33 zu analysierenden Mutationen vor, binden nur die Wildtypsonden. Ist eine Mutation homozygot vorhanden, bindet nur die Mutationssonde. Bei Heterozygotie binden sowohl Wildtypals auch Mutationsonde an die Zielsequenz. Die DNA-Ligase verknüpft die gemeinsame und Wildtyp- oder Mutationssonde nach Hybridisierung an die Zielsequenz. Jedes Ligationsprodukt kann nun über seine spezifische Länge und die unterschiedliche Fluoreszenzmarkierung der gemeinsamen Sonde kapillarelektrophoretisch nachgewiesen werden.
 - Prinzip des Oligonukleotid-Ligations-Assay (OL ) mit Wildtyp DN (oben) und mutanter DN (unten). Die verschiedenen OLA-Produkte werden mittels Kapillarelektrophorese separiert und durch Fluoreszenzfarbstoffe sichtbar gemacht.
Dr. med. Hanns Georg Klein
Zur Charakterisierung der für eine Erkrankung zuständigen chromosomalen Regionen werden zwei in der Genetik beobachtete Phänomene verwendet: Assoziation und genetische Kopplung. Beide Ansätze beziehen sich auf die Abweichung vom dritten Mendelschen Gesetz, welches besagt, dass Merkmale unabhängig voneinander vererbt werden. Eine Assoziation liegt vor, wenn ein spezifisches Allel (Marker) in der Population häufiger bei erkrankten als bei gesunden Personen vorkommt. Bei der Berechnung dieser “Wette” (Odds) wird die Wahrscheinlichkeit, dass Ereignis A eintritt dividiert durch die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht eintritt:
Die Ausprägung einer Assoziation kann durch die Odds Ratio (OR) beschrieben werden. Diese kann als Kreuzprodukt
aus der folgenden 4-Felder-Tafel ermittelt werden:
Eine positive Assoziation liegt vor, wenn OR > 1 ist, eine negative Assoziation liegt vor, wenn OR < 1 ist. Je schwächer der Marker für eine bestimmte Erkrankung ist, desto mehr nähert sich die OR dem Wert 1 (neutraler Marker, keine Assoziation). Das Erkrankungsrisiko für ein Individuum wird durch das relative Risiko (RR) abgeschätzt:
Streng genommen sollte das RR nur bei prospektiven Studien angegeben werden. Da es praktisch keine prospektiven Assoziationsstudien im Bereich genetische Epidemiologie gibt, werden RR und OR häufig auch synonym verwendet. Die OR ist vor allem für die Bewertung von genetischen Varianten (Suszeptibilitäts-Allele), die als Marker für multifaktorielle Erkrankungen eingesetzt werden, von Bedeutung: Starke genetische Marker (z.B. Faktor V-Leiden für Thrombose-, HFE-C282Y-Polymorphismus für Hämochromatose-Disposition) haben in der Regel eine OR > 3-5. Diese Marker sind durch eine vergleichsweise starke phänotypische Penetranz gekennzeichnet, d.h. das Erkrankungsrisiko ist deutlich gegenüber dem Durchschnitt erhöht, Umweltfaktoren spielen eine wichtige Rolle, stehen aber nicht im Vordergrund. Schwache genetische Marker hingegen (z.B. MTHFR-A223V für Thrombose-, VDR-B/b für Osteoporose-Disposition) haben häufig eine OR < 2. Die Penetranz dieser Faktoren ist stark von Umweltfaktoren oder anderen protektiven bzw. schädlichen genetischen Varianten (sog. Modifier-Allele) abhängig. Nur die Summe zahlreicher Einzelfaktoren erhöht das Erkrankungsrisiko. Dies erklärt auch, warum absolut gesehen nur wenige Träger eines “Risiko-Allels” erkranken. Es besteht eben nur ein relativ erhöhtes Risiko gegenüber der Durchschnittsbevölkerung. Diese genetischen Varianten zu charakterisieren und besser zu verstehen ist eines der Hauptanliegen der funktionellen Genomforschung, die derzeit international mit großen Anstrengungen voran gertieben wird.
Verwendung von Daten aus Assoziationsstudien für die Diagnostik
Bei der Ärztlichen Begutachtung von Marker-Allelen und Allel-Varianten für multifaktorielle Erkrankungen werden bei uns derzeit folgende Kriterien berücksichtigt: - Epidemiologische Studien, ggf. Metaanalysen
- Qualität der Studien (95%-Konfidenzintervall, Stichprobengröße)
- Reproduzierbarkeit der Studienergebnisse
- Odds Ratio (OR) oder Relatives Risiko (RR)
- Allel-Frequenz in der Durchschnittsbevölkerung sowie in der Studiengruppe
- Potentielle Interaktionen der untersuchten llele (potenzierende, additive oder subtraktive Effekte)
Auf der Basis dieser Informationen wird eine Beurteilungs Tabelle angelegt und eine gewichtete Summe der Einzelparameter für eine bestimmte Erkrankung vorgenommen. Die auf diese Weise erstellten, parametrisierten Befunde werden zum Schluß einer ärztlichempirischen Plausibilitätskontrolle unterzogen. Standardisierte Vorgehensweisen bei der Beurteilung dieser Untersuchungen gibt es bislang allerdings nicht, so dass es jedem Labor selbst überlassen bleibt, wie die Analysenergebnisse zu bewerten sind. Entscheidend für den sinnvollen Einsatz von Marker Allelen für die Risikoabschätzung multifaktorieller Erkrankungen ist jedoch die Mitberücksichtigung der Eigenund Familienanamnese sowie der Umweltfaktoren (“Life Style”) durch den betreuenden Arzt. Gerade die Frage nach familiärer Häufung kann auch bei multifaktoriellen Erkrankungen oft entscheidende Hinweise liefern. Nur vor dem Hintergrund der Kenntnis von Krankengeschichte und Lebensumständen des Patienten können genetische Varianten richtig interpretiert und die Patienten sinnvoll beraten werden.
Literatur: Klein et al, J Lab Med 30:142 (2006) / Strachan and Read, Human Molecular Genetics, BIOS Sci Publishers (1999)
Man spricht von Kopplung, wenn eine Krankheit zusammen mit einem genetischen Marker überzufällig häufig vererbt wird. Dabei ist ein genetischer Marker definiert als eine polymorphe DNA Sequenz, die in mindestens zwei Varianten vorkommt und deren Varianten nicht seltene Allele sind. Als Marker kommen zur Anwendung: - Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNPs)
- Mikrosatelliten
- Restriktionsfragmentlängen-Polymorphismen (RFLP)
Die meisten in der Forschung eingesetzten Marker sind neutrale genetische Varianten und stehen in keinem ursächlichen Zusammenhang mit einer Krankheit, da sie sowohl bei Gesunden als auch bei Erkrankten auftreten. Voraussetzung für eine Kopplungsanalyse (in der Genetik auch als “indirekte Diagnostik” bezeichnet) ist, dass der Marker Locus mit der zu analysierenden Mutation gekoppelt, d.h. auf einem Chromosom bzw. Allel lokalisiert ist.
Anschließend wird der Quotient Z(ϑ)= L(ϑ)/ L(0,5) gebildet, der die Rekombinationswahrscheinlichkeit L(ϑ) der Wahrscheinlichkeit freier Rekombination gegenüberstellt. Der Sinn dieses Quotienten besteht darin, die Güte der Schätzung L(ϑ) zu beschreiben: je größer der Quotient, desto größer ist die Güte.
Um das Rechnen mit dem Quotienten zu erleichtern, wird der Logarithmus mit der Basis 10 gebildet, der als Lod (logarithm of the Odds) Score bezeichnet wird und ein Maß für das Vorliegen von Kopplung darstellt. Ein Lod Score > 3 wird allgemein als ein Wert betrachtet, bei dem eine Kopplung anzunehmen ist, da hier die Kopplungswahrscheinlichkeit 1:1.000 beträgt und damit freie Rekombination fast ausgeschlossen werden kann. Bei einem Lod Score < 2 kann eine Kopplung hingegen ausgeschlossen werden. Das Argument ϑ beim Maximum des LodScores ist die maximal wahrscheinliche Rekombinationsfraktion.
Risikoberechnung bei der indirekten Gendiagnostik
Der Anteil der Gene und Mutationen, die zu erblichen, monogenen Erkrankungen beim Menschen führen und die einer direkten Genanalyse zugänglich sind, wächst derzeit rasch an. Eine direkte Genanalyse ist allerdings erschwert, wenn intragenische Heterogenie vorliegt,
d.h. wenn verschiedene Mutationen an einem Genort vorliegen, die außerhalb der routinemäßig analysierten Anteile (kodierende Sequenzen und Spleissstellen) zu derselben Krankheit führen können. In einigen dieser Fälle besteht die Möglichkeit einer indirekten DNADiagnostik, die mittels Kopplungsanalyse durchgeführt wird. Durch die Kopplungsanalyse ist es möglich, die Vererbung des polymorphen Markers in einer Familie zu verfolgen und dies mit dem Auftreten der Erkrankung zu korrelieren.
In dieser Vorgehensweise liegt jedoch zugleich eine Problematik der indirekten Analyse. Das Ergebnis einer indirekten GenAnalyse ist die Angabe einer Wahrscheinlichkeit des Erkrankungsrisikos anstatt eines Nachweises der krankheitsauslösenden Mutation. Zur Berechnung des Erkrankungsrisikos kann das Theorem von Bayes eingesetzt werden. Dieses Theorem erlaubt das Kombinieren von Einzelwahrscheinlichkeiten zu einer Gesamtwahrscheinlichkeit. Die Wahrscheinlichkeiten können durch die Analyse der Familienstammbäume ermittelt werden. Laut dem Bayes´schem Theorem wird die Wahrscheinlichkeit einer Hypothese aus den Wahrscheinlichkeiten einzelner Beobachtungen wie folgt bestimmt:

wobei P(Hi) die Wahrscheinlichkeit der iHypothese und P(Hi | E) die Wahrscheinlichkeit vorausgesetzt Beobachtung E ist. Beim Summieren im Nenner des Quotienten wird selbstverständlich auch die Hypothese mit berücksichtigt, dass Hi unwahr ist.
Literatur Strachan and Read, Human Molecular Genetics, BIOS Sci Publishers (1999)
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Akkreditiert nach:
DIN EN ISO /IEC 17025,
DIN EN ISO 15189,
European Fed. of Immunogenetics (EFI)
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