Impressum | Kontakt
Ataxien, spinocerebelläre autosomal-dominante (SCA) [G11.9]

OMIM: 164400601556 (ATXN1)183090601517 (ATXN2)109150607047 (ATXN3), 183086601011 (CACNA1A)164500, 607640 (ATXN7), 607136, 600075 (TBP)

Dr. rer. biol. hum. Soheyla Chahrokh-Zadeh

 

Wissenschaftlicher Hintergrund

Bei den autosomal-dominant vererbten spinocerebellären Ataxien handelt es sich um eine klinisch und genetisch heterogene Gruppe von Erkrankungen, die mittlerweile ca. 31 Unterformen einschließt. Die Prävalenz wird auf wenigstens 3:100.000 geschätzt. Die genetische Ursache ist noch nicht bei allen Formen aufgeklärt. Allen gemeinsam ist das klinische Leitsymptom der progredienten Ataxie. Neben der Gangunsicherheit können Störungen von Okulomotorik und Sprache, Rumpf- und Extremitätenataxie und Intentionstremor sowie zusätzliche neurologische Symptome auftreten. Klinisch werden 3 Formen unterschieden: Typ 1 mit Augensymptomatik und verschiedenen weiteren neurologischen Symptomen (SCA1-4, 8, 12, 13, 17), Typ 2 mit einer pigmentösen Makuladegeneration (SCA7), Typ 3 als reine cerebelläre Ataxie (SCA5, 6, 10, 11, 14). 

 

Die Krankheit beginnt meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, aber sie kann auch in der Kindheit oder nach der 6. Dekade einsetzen. Die Unterformen SCA1, 2, 3, 6 und 7 werden durch pathologische CAG-Triplett-Repeat-Expansionen innerhalb verschiedener Gene verursacht. Wie bei anderen Triplett-Repeat-Erkrankungen wird auch bei den SCAs innerhalb der Familien eine Antizipation, d.h. eine Vorverlagerung des Erkrankungsalters und ein schwererer Verlauf in aufeinanderfolgenden Generationen, beobachtet. SCA17, hier findet sich die CAG-Repeat-Expansion innerhalb einer komplexen CAG/CAA-Repeat-Region, ist phänotypisch variabler und komplexer. Aufgrund des breiten klinischen Spektrums kann SCA17 andere neurodegenerative Erkrankungen wie Chorea Huntington, Parkinson und andere Bewegungsstörungen und zerebelläre Erkrankungen vortäuschen, es sind auch Patienten mit ausschließlich psychiatrischen Symptomen (Demenz, bipolare Psychose, Paranoia u.a.) ohne Ataxie oder Bewegungsstörungen beschrieben. Aufgrund der Ähnlichkeit der klinischen Erscheinungen zur Chorea Huntington hat man u.a. für SCA17 die Bezeichnung „Huntington‘s Disease-like 4 Syndrome (HDL4)“ eingeführt. Eine Zuordnung bei nicht eindeutiger klinischer Symptomatik kann durch die molekulargenetische Diagnostik versucht werden.

 

Indikation

V.a. und DD spinocerebelläre Ataxie

Bei einer pradiktiven genetischen Diagnostik muss laut Gendiagnostik Gesetz (§10, Absatz 2 GenDG) vor der Untersuchung und nach Vorliegen des Befundes eine genetische Beratung erfolgen. Eine Ausnahme davon ist nur moglich, wenn eine schriftliche Verzichtserklarung der Risikoperson nach schriftlicher Aufklarung uber die Beratungsinhalte vorliegt.

 

Anforderung

Ü-Schein Muster 10 mit folgenden Angaben

  • Ausnahmekennziffer: 32010 
  • Diagnose/Verdachtsdiagnose: SCA (ICD-10 Code: [G11.9])
  • Auftrag: Bestimmung Triplett-Repeat-Anzahl ATXN (1 und/oder 2,3,7)-, CACNA1A-, TBP-Gen

Hinweis: Schriftliche Einwilligungserklärung gemäß GenDG erforderlich

Material

2-5 ml EDTA-Blut

 

Methode

Aus genomischer DNA wird der entsprechende CAG-Triplett-Abschnitt der zu untersuchenden Gene mittels PCR amplifiziert. Die Längenbestimmung der PCR-Produkte und die daraus resultierende Anzahl der CAG-Repeats erfolgt mittels Kapillarelektrophorese.

 

Dauer der Untersuchung

2-3 Wochen

 

Kosten

auf Anfrage

 

Literatur

Reetz et al, PLoS ONE 6:e15125 (2011) / Gao et al, Eur J Hum Genet 16:215 (2008) / Manto et Marmolino, Curr Opin Neurol 22:419 (2009), Ranum et Cooper, Annu Rev Neurosci 29:259 (2006) / Riess et al, Dt Ärzteblatt 23:1319 (2001) David et al, Nature Genet 17:65 (1997) / Zhuchenko et al, Nature Genet 15:62 (1997) Imbert et al, Nature Genet 14:285 (1996) / Kawaguchi et al, Nature Genet 8:221 (1994)

 

 
Zentrum für Humangenetik
und Laboratoriumsdiagnostik

Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen
Lochhamer Str. 29
82152 Martinsried
Tel.: +49 (0) 89 89 55 78-0

info@medizinische-genetik.de
Neu etablierte Parameter finden Sie unter Fachinformationen. [mehr]

 

Aktuelle Veröffentlichungen aus unserem Haus finden Sie unter  Publikationen [mehr]

 
Akkreditiert nach: 
DIN EN ISO /IEC 17025, 
DIN EN ISO 15189, 
European Fed. of Immunogenetics (EFI)


© 2014 - Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsdiagnostik (MVZ) Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

 aktualisiert am:  12.10.12