Unter dem Begriff MFS2 wurde ursprünglich ein Phänotyp zusammengefasst, welcher ähnlich wie das klassische Marfan-Syndrom durch Skelettauffälligkeiten (Großwuchs, Arachnodaktylie, Trichterbrust) und kardiovaskuläre Symptome (Mitralklappenprolaps, Aortenwurzelerweiterung, Aortenaneurysma) gekennzeichnet ist, jedoch keine Augenbeteiligung, insbesondere keine Linsenluxation, aufweist. Der MFS2-Phänotyp zeigt neben Überlappungen mit dem klassischen MFS vor allem fließende Übergänge zum Loeys-Dietz-Syndrom (LDS). Mit der klinischen und molekulargenetischen Definition des LDS 2005 erscheint die Bezeichnung MFS2 als eigene Entität mittlerweile fragwürdig.
Bereits 1993 wurde auf Chromosom 3p25-p24.2 ein zweiter Genort für Marfan-Syndrom anhand einer Familie mit klinischen Symptomen des MASS-Phänotyps ohne Augenbeteiligung lokalisiert und als MFS2 bezeichnet. 2004 wurde bei einem anderen Patienten mit MFS2 eine Translokation mit dem Bruchpunkt in 3p24.1, im TGFBR2-Gen, identifiziert. Bei der 1993 beschriebenen MFS2-Famile wurde 2004 ebenfalls eine TGFBR2-Mutation nachgewiesen. Damit wurde erstmals ein Zusammenhang zwischen Mutationen im TGFBR2-Gen und MFS2 hergestellt. MFS2 wird wie LDS durch Mutationen im TGFBR1- und TGFBR2-Gen verursacht. Mittlerweile wurden in 5-25% der Patienten mit Marfan-ähnlichem Syndrom, MFS2 oder unvollständiger Marfan-Symptomatik und negativer Mutationssuche im FBN1-Gen Mutationen in TGFBR2 und TGFBR1 identifiziert.
Marfan-Syndrom ähnliche Symptome ohne Augenbeteiligung; keine Mutation im FBN1-Gen
Ü-Schein Muster 10 mit folgenden Angaben Ausnahmekennziffer: 32010 Diagnose/Verdachtsdiagnose: Marfan-Syndrom Typ 2 (MFS2) (ICD-10 Code: [Q87.4]) Auftrag: Stufe I: Mutationssuche TGFBR2-Gen, und/oder Stufe II: Mutationssuche TGFBR1-Gen, und/oder Stufe III: Deletionsdiagnostik TGFBR1- und TGFBR2-Gen
Schriftliche Einwilligungserklärung gemäß GenDG erforderlich
Stufe I: Aus einer Blutprobe wird genomische DNA isoliert und alle 7 Exons des TGFBR2-Gens einschließlich der Intron/Exon-Spleissstellen amplifiziert und sequenziert.
Stufe II: Aus einer Blutprobe wird genomische DNA isoliert und alle 9 Exons des TGFBR1-Gens einschließlich der Intron/Exon-Spleissstellen amplifiziert und sequenziert.
Stufe III: Aus genomischer DNA wird eine quantitative Analyse aller 7 bzw. aller 9 Exons der Gene TGFBR2 und TGFBR1 mittels MLPA (Multiplex Ligation Probe Amplification) durchgeführt.
Stufe I: Komplettsequenzierung TGFBR1-Gen, 2 Wochen, Stufe II: Komplettsequenzierung TGFBR2-Gen, 2 Wochen, Stufe III: MLPA-Analyse TGFBR1- und TGFBR2-Gen, 2 Wochen
Chung et al, Am J Med Genet 149A: 1452 (2009) / Stheneur et al, Hum Mutat 29:E284 (2008) / Mizuguchi et Matsumoto, J Hum Genet 52:1 (2007) / Singh et al, Hum Mutat 27:770 (2006) / Matyas et al, Hum Mutat 27:760 (2006) / Sakai et al, Am J Med Genet 140A:1719 (2006) / Loeys et al, Nat Genet 3:275 (2005) / Dietz et al, Am J Med Genet 139C:4 (2005) / Mizoguchi et al, Nat Genet 36:855 (2004) / Collod et al, Nature Genet 8:264 (1994) / Boileau et al, Am J Hum Genet 53:46 (1993)
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