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Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Defizienz (Favismus) [E55.0]

OMIM-Nummern: 134700, 305900 (G6PD)

Dipl. - Biol. Birgit Busse

 

Wissenschaftlicher Hintergrund

Favismus (von lateinisch: faba = Bohne) ist eine X-chromosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselerkrankung aufgrund eines Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase (G6PDH)-Mangels. Das Enzym Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase nimmt eine Schlüsselposition im Pentosephosphatweg ein und katalysiert die Umwandlung von Glucose-6-Phosphat in D-Glucono-1,5-Lactono-6-Phosphat (siehe Abb.). Dabei enstehen Reduktionsäquvalente wie NADPH, die Zellstrukuren (z.B. Erythrozytenmembranen) vor oxidativen Schäden bewahren.

Bislang sind über 150 Mutationen im G6PDH-Gen beschrieben, die mit einer G6PDH-Defizienz assoziiert sind. Bei Einnahme von oxidativ wirkenden Substanzen kann die Enzymdefizienz zu hämolytischer Anämie führen. Aufgrund des X-chromosomalen Erbgangs sind vorwiegend Männer betroffen. Hemizygote Männer und homozygote Frauen mit Mutationen auf dem X-Chromosom zeigen den voll ausgeprägten Phänotyp.  Heterozygote Anlageträgerinnen zeigen in der Regel nur dann Symptome, wenn eine präferenzielle Expression des betroffenen Allels, z.B. aufgrund einer verschobenen X-Inaktivierung, vorliegt. In der deutschen Bevölkerung liegt die Prävalenz bei 0,14 - 0,37%,  in einigen Ländern des Mittelmeerraums, Afrikas und Asiens liegt sie bei 3 - 35%.  In der westeuropäischen Bevölkerung ist die durch die Mutation c.563C>T (p.Ala188Ser) bedingte mediterrane Form die häufigste Ursache für Favismus und führt zu einem schweren Krankheitsverlauf. Da das variante Enzym nur noch 0-7% Restaktivität besitzt, kann der Schutz der Erythrozyten vor oxidativer Schädigung nicht aufrecht erhalten werden. Oxidativ wirkende Medikamente können hämolytisch-anämische Krisen auslösen und dürfen daher nicht verordnet werden. Auch die Proteine der Fava-Bohne (Aglycone) und deren Pollen sind Auslöser hämolytischer Ereignisse.

 

Bei der Umwandlung von G6P in 6-PGdL entsteht NADPH/H+, welches als Reduktionsäquivalent
Prävalenz von G6PDH-Mangel in europäischen und afrikanischen Bevölkerungsgruppen
Indikation

V.a. und DD G6PDH-Defizienz/Favismus

 

Anforderung

Ü-Schein Muster 10 mit folgenden Angaben

  • Ausnahmekennziffer: 32010 
  • Diagnose/Verdachtsdiagnose: G6PD-Defizienz (ICD-10 Code: [E55.0])
  • Auftrag: Stufe I: G6PDH-p.S188F (c.563C>T)
    und/oder Stufe II: Komplettsequenzierung des G6PDH-Gens

Hinweis: Schriftliche Einwilligungserklärung gemäß GenDG erforderlich

 

Material

1 ml EDTA-Blut

 

Methode

Aus genomischer DNA werden Exon 6 bzw. alle 13 Exons des G6PDH-Gens amplifiziert. Der Nachweis von Mutationen erfolgt durch direkte DNA-Sequenzanalyse der Amplifikationsprodukte.

 

Dauer der Untersuchung

ca. 1-2 Wochen

 

Kosten

auf Anfrage

 

Literatur

Minucci et al, IUBMB Life, 61: 27 (2009)/Turan, Archives of Medical Research 37:880 (2006) / Beutler and Vulliamy, Blood Cells Mol Dis 28:93 (2002) / Abdulrazzaq et al, Clin Genet 55:13 (1999) / Vulliamy et al, Proc Nat Acad Sci 85:571 (1988) / www.favismus.de (Favismus Datenbank)

 

 
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 aktualisiert am:  22.02.13