Die Unverträglichkeit von Milchzucker (Lactose) kann eine vererbte oder erworbene Störung des Lactose-Stoffwechsels sein. Bei der genetisch bedingten hereditären Lactose-Intoleranz (Adult-onset Form) wird die mit der Nahrung aufgenommene Lactose aufgrund verminderter Produktion des Verdauungsenzyms Lactase nicht ausreichend abgebaut. Dadurch akkumuliert unverdaute Lactose im Dickdarm, wo es aufgrund osmotischer Prozesse und Fermentation in der Darmflora zu Oberbauchbeschwerden kommt. Diese Form der Lactose-Intoleranz manifestiert sich phänotypisch in der Regel frühestens ab dem Schulkindalter.
Der C/T-Polymorphismus in Position -13910 (g.-13910C>T) in der regulatorischen Region des LCT-Gens zeigt eine starke Assoziation zur Lactaseaktivität. Ca. 25% der mittel- und nordeuropäischen Bevölkerung sind homozygote Träger des inaktivierenden C-Allels und sind damit von dieser Form der Lactose-Intoleranz betroffen. In Südeuropa und anderen Teilen der Welt ist die Erkrankung deutlich häufiger anzutreffen. Die Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv, d.h. beide Allele müssen betroffen sein, damit sich die Unverträglichkeit phänotypisch ausprägt.
Differentialdiagnostisch sollte bedacht werden, dass Erkrankungen wie Zöliakie oder M. Crohn zu einer sekundären Lactose-Intoleranz führen können, die unabhängig vom Lactase-Genotyp entsteht. Bei diesen Formen der Lactose-Unverträglichkeit ist eine gestörte Lactase-Sekretion aus dem geschädigten Darmepithel ursächlich für die Symptome. Milchzuckerunverträglichkeiten im Säuglings- und Kleinkindalter sind keine Indikation für die Untersuchung der hereditären Form der Lactose-Intoleranz. Bei schwerer Symptomatik (unbeherrschbare Durchfälle, Gedeihstörungen) kann es sich um die kongenitale Lactose-Intoleranz handeln, die durch Mutationen im LCT-Gen verursacht wird.