OMIM-Nummer: 606232
Dr. med. Imma Rost
Die Mikrodeletion 22q13.3 betrifft das terminale Langarmende des Chromosoms 22, also nicht die durch das DiGeorge-Syndrom bekannte Region 22q11.2. Einige Patienten haben lichtmikroskopisch erkennbare Deletionen, andere kleinste Deletionen, die mittels FISH-Analyse oder Array-CGH entdeckt werden. Bei etwa einem Drittel ist die Deletion Folge einer chromosomalen Translokation.
Als Leitsymptom der Deletion 22q13.3 gilt eine ausgeprägte Muskelhypotonie, die meist bereits beim Neugeborenen vorliegt, weshalb diese Mikrodeletion in die Differentialdiagnose einer schweren Hypotonie im Neugeborenenalter einbezogen werden kann. Zusätzlich zeigt sich später eine Entwicklungsverzögerung, die v.a. die Sprache betrifft bis zum Fehlen der expressiven Sprache. Charakteristisch sind normale bis große Körpermaße. Bei einigen Patienten wurden autistische Verhaltensweisen beschrieben. Äußere Merkmale sind diskret und uncharakteristisch und variieren offenbar in Abhängigkeit von der Deletionsgröße: Dolichozephalie, Ohrmuscheldysplasien, Epicanthus, Ptosis, periorbitale Weichteilfülle, verstrichenes Philtrum, volle Lippen, betontes Kinn, Syndaktylie der Zehen II-III, dysplastische Zehennägel. Bei knapp einem Drittel treten Krampfanfälle auf.
Die kleinste überlappende Deletionsregion enthält das SHANK3/ProSAP2-Gen, dessen Haploinsuffizienz die meisten neurologischen Symptome des Phelan-McDermid-Syndroms verursachen soll, da das Genprodukt als Gerüstprotein in postsynaptischen Strukturen exzitatorischer Synapsen wirkt und an Neuroligine bindet, die auch in Zusammenhang mit autistischen Störungen stehen.
- Klinischer Verdacht auf Deletion 22q13
- Neugeborenes: ausgeprägte Muskelhypotonie
- Kleinkind: Entwicklungsverzögerung, v.a. sprachlich, Hypotonie, autistische Züge
Ü-Schein Muster 10 mit folgenden Angaben - Ausnahmekennziffer: 32010
- Diagnose/Verdachtsdiagnose: V.a. Mikrodeletion 22q13.3 (ICD-10 Code: [Q93])
- Auftrag: Chromosomenanalyse, FISH-Analyse
Hinweis: Schriftliche Einwilligungserklärung gemäß GenDG erforderlich
Aus Heparin-Blut werden nach Kultivierung Chromosomen präpariert, mit fluoreszenzmarkierten Sonden hybridisiert und mikroskopisch ausgewertet (FISH-Analyse). Zum Ausschluß chromosomaler Strukturumbauten konventionelle Chromosomenanalyse. Array-CGH: s. dort
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