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Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom (VWJS) [D.68.0]

OMIM-Nummer: 193400613160 (VWF) 

Dr. rer. nat. Christoph Marschall

 

Wissenschaftlicher Hintergrund

VWS ist eine angeborene oder erworbene Störung des Gerinnungssystems, die durch quantitative oder qualitative Veränderungen des von-Willebrand-Faktors (VWF oder Faktor 8) hervorgerufen wird. Die wichtigsten Funktionen des VWF liegen in der Förderung der Plättchenadhäsion über Glykoprotein Ib, welches an den Thrombozytenoberflächen lokalisiert ist sowie in der Bindung von Faktor VIII, wodurch dieser vor schnellem Abbau geschützt ist. Die Thrombozytenadhäsion ist von den großen Multimeren des VWF abhängig.

Alle Funktionen des VWF sind durch Mutationen im VWF-Gen betroffen, die einen allgemeinenquantitativen Effekt auf die Expression des VWF haben. Mutationen, welche die Bildung großer Multimere beeinträchtigen, beeinflussen nur die VWF-Funktion in der primären Hämostase. Wenn hingegen die FVIII-Binderegion defekt ist, ist die Funktion in der sekundären Hämostase betroffen. Die quantitativen Effekte werden in relative Verminderung (Typ I) und absolutes Fehlen (Typ III) unterschieden. Qualitative Defekte (Typ II) sind sehr heterogen. Durch die Identifizierung spezifischer Mutationen, die mit einer reduzierten Expression des VWF, Störungen der posttranslationalen Modifikation, Beeinträchtigung des intrazellulären Transports oder funktionellen Defekten einhergehen, kann der sehr heterogene klinische Phänotyp mit dem Genotyp in Einklang gebracht werden. Die Mutationsanalyse kann bei der korrekten Diagnosestellung und Klassifikation hilfreich sein und die Wahl der adäquaten Therapie erleichtern.

 

Indikation

V.a. und DD VWS

 

Anforderung

Ü-Schein Muster 10 mit folgenden Angaben

  • Ausnahmekennziffer: 32010 
  • Diagnose/Verdachtsdiagnose:VWD (ICD-10 Code: [D68.0])
  • Auftrag: Mutationssuche VWF-Gen

Hinweis: Schriftliche Einwilligungserklärung gemäß GenDG erforderlich

 

Material

1 ml EDTA-Blut

 

Methode

Aus genomischer DNA werden alle 52 Exons des VWF-Gens einschließlich der Intron/Exon-Spleißstellen amplifiziert und sequenziert. 

 

Dauer der Untersuchung

4 Wochen

 

Kosten

auf Anfrage

 

Literatur

Gadisseur et al, Acta Haematol 121:71 (2009) / Schneppenheim et al, Hämostaseologie 29:143 (2009) / Goodeve et al, Blood 109:112 (2007) / James et al, Blood 109:145 (2007) / Schneppenheim et al, Hämostasiologie 25:367 (2005) / Schneppenheim et al, Hämostasiologie 24:37 (2004) / Mannucci et al, N Engl J Med 351:683 (2004) / Ginsburg et al Blood 79:2507 (1992)

 

 
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 aktualisiert am:  29.09.12