Dipl. - Ing. Monika Bühl-Göpfert
Die Immunbiologie ist die Lehre von den biologischen und biochemischen Grundlagen der körpereigenen Abwehr von Krankheitserregern wie Bakterien, Viren, Pilzen sowie anderen körperfremden Stoffen wie beispielsweise biologischen Toxinen und Umweltgiften. Mit Hilfe der Immunologie konnten viele Geißeln der Menschheit besiegt werden. Sie gilt daher zurecht als eine der wichtigsten Biowissenschaften überhaupt. Historisch gesehen stammen die ältesten bekannten Aufzeichnungen, die Hinweise auf immunologisch relevante Beobachtungen enthalten, aus dem Jahr 430 vor Christus. Der Geschichtsschreiber Thukydides stellte damals während der sogenannten attischen Seuche in Athen zur Zeit des Peloponnesischen Krieges fest, dass nur Menschen für die Versorgung der Erkrankten in Frage kamen, welche die Krankheit selbst bereits durchgestanden und überlebt hatten.
In den letzten 35 Jahren hat sich die Immunologie geradezu explosionsartig entwickelt. Eine der wichtigsten Entdeckungen, die - ähnlich wie 10 Jahre später die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) in der Molekulargenetik - eine Initialzündung für die Anwendungen in der Diagnostik ausgelöst hat, war das Prinzip der Herstellung von monoklonalen Antikörpern durch Milstein, Köhler und Jerne im Jahr 1975, die 1984 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde. Monoklonale Antikörper gehen auf eine einzige Zelllinie von B-Lymphozyten zurück (Zellklon) und binden daher im Gegensatz zu den polyklonalen Antikörpern, die sich bei einer physiologischen Immunantwort bilden, hochspezifisch nur ein einziges Epitop. Monoklonale Antikörper bilden die Grundlage für zahlreiche diagnostische Verfahren, wie z.B. Immunphänotypisierung, FACS, Immunhistologie, ELISA und werden inzwischen auch in der Therapie eingesetzt (z.B. Herceptin bei HER2/Neu-positivem Mammakarzinom).
Neben der Entwicklung einer Fülle von technischen Details, die vor allem den Bereich der Automatisierung stark voran gebracht hat, sind dabei auch grundlegende, physiologische und biochemische Prinzipien aufgedeckt worden, die ein besseres Verständnis der komplexen Immunfunktion und Abwehrmechanismen ermöglicht haben. Immunologische Labormethoden spielen heute eine große Rolle bei der Diagnostk zahlreicher Erkrankungen und unterliegen einer stetigen Weiterentwicklung. So hat sich allein die Durchflußzytometrie durch den Einsatz immer neuer Fluorochrome in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt, wodurch eine immer größere Anzahl von Merkmalen gleichzeitig auf einer Zelle dargestellt werden kann. Parallel ist auch ein zunehmendes Ineinandergreifen immunologischer und molekularbiologischer Techniken zu beobachten, so dass man zu Recht von einer neuen, integrierten Disziplin der Molekularen Diagnostik sprechen kann.
|